Ben Folds vertonte Songtexte von Schriftsteller Nick Hornby

Basteln mit Anspruch

Ben Folds fügt Worten von Nick Hornby Musik und Melodien hinzu, heißt es auf dem Cover von „Lonely Avenue“. Klingt nach einem ambitionierten gemeinsamen Projekt des genialen Songschreibers Folds und des erfolgreichen Autors Hornby: nach Songbasteln mit Anspruch.

Trotz aller intellektuell verbrämten Entstehungsgeschichte des Albums - Folds erwähnt im Pressetext sogar Schostakowitsch - sollte man sich nicht täuschen lassen: Hier handelt es sich immer noch um Popsongs, mit eingängigen, zumeist melancholischen Melodien, teil opulent arrangiert mit reichlich Streicherbegleitung und satten Backgroundchören.

Der 53-jährige Hornby, der in Büchern wie „High Fidelity“ amüsant über die (männliche) Musikleidenschaft erzählt hat, schickte dem elf Jahre jüngeren Freund (bekannt durch sein Trio Ben Folds Five) Texte per E-Mail - Kürzestgeschichten, für die dieser den Sound fand. So entstanden teils ironische Vier-Minuten-Short-Storys, wie der wunderschön-traurige Song über eine Mutter, die den Neujahrsmorgen mit ihrem Kind im Krankenhaus verbringt („Picture Window“) oder das Lied über eine Neunjährige, die einen furchtbaren Geburtstag mit ihren zerstrittenen Eltern verbringt, die tun, als hätten sie einander nie gekannt („Claire’s Ninth“).

„Lonely Avenue“ lässt keinen Zweifel daran, dass Folds/Hornby die Popgeschichte in- und auswendig kennen. „Belinda“ erzählt von einem Popstar, der jahrelang den Hit über seine Ex-Frau singen muss, der er so Abend für Abend hinterhertrauert. Klingt wie eine Stadionhymne des frühen Elton John.

Ben Folds adds music and melody to Nick Hornby’s words: Lonely Avenue (Nonesuch), Wertung: !!!::

Von Mark-Christian von Busse

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