Die Batterie ist leer: Kassels coolster Club macht zu

Machen den Club Batterie hinter dem Kulturbahnhof zu: Die Betreiber Andreas Störmer (von vorn), Mathias Jacob und Sebastian Fleiter (Nachrichtenmeisterei). Foto: Lohr

Kassel. Es wird mit Sicherheit eine witzige Trauerfeier am Freitagabend in der Batterie. Nach fast 16 Monaten schließt Kassels coolster Club im Nordflügel des Kulturbahnhofs. Die Abrissparty findet am Freitag, 21 Uhr in der Batterie, Joseph-Beuys-Straße, statt.

Auf ihrer Facebook-Seite haben die Macher Andreas Störmer und Mathias Jacob passenderweise einen Trauerkranz gepostet mit dem Slogan: „Wir grüßen dich ein letztes Mal. Batterie, 8.6.2012-27.9.2013.“

Mit Galgenhumor fordern sie ihre Gäste auf, dicke Eddings mitzubringen, damit sie sich auf einer Kondolenzwand verewigen können. DJs sorgen dafür, dass bis zum bitteren Ende getanzt wird. Dabei ist Sebastian Fleiter nicht mehr nach Tanzen zumute. Vor sechs Jahren stand der Gründer der Kreativschmiede Nachrichtenmeisterei zum ersten Mal im Raum neben dem ehemaligen Zollamt hinter dem Kulturbahnhof: „Wir wollten einen Ort daraus machen, den es in Kassel so noch nicht gab.“

Das ist der Nachrichtenmeisterei mit Störmer und Jacob gelungen. Wo die Bahn früher die Batterien für ihre Gabelstapler auflud, traten seit dem documenta-Sommer 2012 internationale Indie-Helden wie die isländische Pop-Band Retro Stefson auf. Es gab Lesungen, Klassik-Abende und ein umjubeltes Konzert des Kasseler Singer/Songwriters Milky Chance, an das man sich noch in 20 Jahren erinnern wird.

Nun ist der Akku leer. Die Betreiber machen Schluss, weil auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs bis 2017 Platz für die Fraunhofer-Institute IWES und IBP entstehen soll. Der Forschungs- und Wirtschaftsstandort Kassel wird damit gestärkt, darüber freut sich auch Fleiter.

Trotzdem vermisst er eine Perspektive für junge Kultur. Schon vor drei Jahren hat er der Stadt ein Konzept vorgelegt, wie man eine Kulturmeile nördlich des Kulturbahnhofs mit Ateliers, Clubs und Kneipen schaffen könnte - ohne Erfolg. Aus den Räumen, in die die Nachrichtenmeisterei in den vergangenen Jahren 75 000 Euro gesteckt hat, müssen nun nicht nur die Batterie-Betreiber ausziehen, sondern auch zahlreiche Künstler mit ihren Ateliers.

Nach dem Ende der Kulturfabrik Salzmann ist das schon der zweite Rückschlag für die heimische Kreativwirtschaft innerhalb kurzer Zeit. Von Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der in der Vergangenheit stets betont hat, wie wichtig die junge Szene für die Stadt ist, gab es darauf bislang keine Antwort.

Störmer und Jacob machen trotzdem weiter. Noch im Herbst wollen sie ihren in der Nachbarschaft gelegenen „Unten“-Club wiedereröffnen. Dazu haben sie eigens einen Verein gegründet namens „Kultur von unten“. Die Eröffnungsparty dürfte ebenfalls witzig werden.

Abrissparty, Freitag, 21 Uhr in der Batterie, Joseph-Beuys-Straße.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.