Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen mit Schütz und Gabrieli bei den Musiktagen

Baukasten Alte Musik

Konzentriert: Mitglieder des Ensembles Weser-Renaissance Bremen beim Auftritt in der Friedenskirche. Foto: Malmus

KASSEL Giovanni Gabrieli und Heinrich Schütz, Italiener und Deutscher, Katholik und Protestant, Spätrenaissance und Frühbarock - und Lehrer und Schüler. Die Komponisten an einem Wendepunkt der europäischen Musikgeschichte bieten vielfache Möglichkeiten zu aufschlussreichen Wechselwirkungen. Und davon schütteten Manfred Cordes und sein 14-köpfiges Ensemble Weser-Renaissance Bremen am Mittwochabend ein üppiges Füllhorn in der fast vollen Friedenskirche aus, die sich für Musik von Heinrich Schütz als gut geeignet erwies, mehr als für die Gabrielis, die nach mehr Hall verlangt.

Blöcke mit Werken der beiden Großmeister wurden abwechselnd musiziert und zeigten die Unterschiede der Stile. Vereinfacht gesagt: Gabrieli vertikal, klangbetont, akkordbestimmt, Schütz horizontal, wortbetont, melodisch. Zu diesen an sich schon starken Kontrasten kamen ständige Wechsel in der Besetzung. Da Cordes „Chor“ in Übereinstimmung mit den Quellen als „die kleinste in sich funktionsfähige Musikereinheit“ versteht, stellt er Sänger und Instrumentalisten einander gegenüber oder mischt sie.

Fast jedes der 14 geistlichen Werke war anders besetzt. Baukasten Alte Musik kann man dieses Vorgehen nennen oder gar Alchemie der Klänge. All dies wurde von den sechs Sängern (Sopran, Altus, drei Tenöre, Bass) und von den acht Instrumentalisten (zwei Violinen, zwei Zinken, Posaune, Fagott, Orgelpositiv und Chitarrone) nahezu perfekt angegangen.

Effekthascherei wurde streng vermieden. Die sich in einem schmalen dynamischen Band bewegende Interpretation öffnete einen Zugang zu einer fernen Welt, deren Hervorbringungen die Zuhörer unserer hektischen Zeit dennoch stark berühren.

Alle sechs Sänger standen souverän über ihren Aufgaben und zeigten trotz der solistischen Besetzung ein sehr gutes Gespür für die Herstellung eines homogenen Resultats, ebenso die Instrumentalisten.

Das begeistert aufgenommene Programm endete mit einem großartigen „Vater unser“ von Schütz.

Von Johannes Mundry

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