Baunataler Herbstpalast: In der Kneipe mit Richard Rogler

Altmeister des Kabaretts: Richard Rogler, lange Jahre im „Scheibenwischer“ zu sehen, holte in Baunatal zur Attacke gegen die politische Klasse aus. Foto: Fischer

Baunatal. Vielleicht hat Angela Merkel etwas vor, wovon noch niemand ahnt. Wehrpflicht abschaffen, Atomkraftwerke abschalten, Homo-Ehe einführen? „Da stimmt doch was nicht“, mutmaßte Kabarettist Richard Rogler Samstagabend im „Baunataler Herbstpalast“ in der Stadthalle, „da ist was faul“.

Das alles mache die CDU doch zum Club Deutscher Untergrundkämpfer.

Roglers Vermutung: Die Kanzlerin wurde einst von Mielke und Honecker eingeschleust, um den Kapitalismus kaputt zu machen, den Westen in den Abgrund zu reißen. Kurz: „Die will uns fertigmachen.“ Und wenn die CDU demnächst zwecks Besetzung die Zentrale der Deutschen Bank stürme, „hat die SPD noch nicht mal die Postadresse rausgefunden“. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück tue ja sowieso „alles, um’s nicht zu werden“.

Rogler, der kommenden Donnerstag 64 wird, bot gut eineinhalb Stunden von knapp 200 Besuchern gefeiertes klassisches Kabarett. Am Ende musste man befürchten, dass sich das langjährige „Scheibenwischer“-Mitglied den Mund fusselig geredet hatte.

Der rote Faden: Rogler erzählte aus seiner Stammkneipe, Gertis Kleinem Brauhaus in Köln, und von ihren Gästen, Friseurmeisterin Beate, Werner, dem promovierten ehemaligen Betriebsleiter des volkseigenen Kombinats Sprengstoffe in Zwickau, oder dem Intellektuellen Friedemann. So konnte er nach Lust und Laune hin- und herspringen, von Ministerin Kristina Schröder („die taubste Nuss“) zur schwäbischen Schorle („halb Mineral-, halb Leitungswasser) und zu hässlichen Blumenkübeln vor der Tür. Hart attackierte er SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, „Inbegriff der Politikerkarriere“. In die Disco habe man sie früher nur mitgenommen, „damit jemand auf die Mäntel aufpasst“. Deshalb sei sie bei den Jusos gelandet: „Seither inhaltlich noch nichts gerissen, aber immer dabei.“

Bei allem Spott schimmerte auch ein ernster und kluger Gedanke durchs Programm: dass das Sich-Abgrenzen zum Volkssport werde. Alle wollten immer individueller, immer exklusiver sein – und würden trotzdem zu jedem Massen-event rennen: „Alle sind was Besseres. Jeder gegen jeden. Bis wir nicht mehr wissen, warum wir noch in einem Land leben.“

Von Mark-Christian von Busse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.