Berliner Kunstprojekte sind ins Stocken geraten - Neubauvorhaben am Kunstforum verzögern sich

Baupläne werden abgespeckt

Quartier im Wandel: Blick auf den Humboldthafen in Berlin mit Spreebecken, im Hintergrund die Invalidenstraße. Foto:  dpa

Nun soll sie also doch aufgehübscht werden, die Ödnis am Berliner Kulturforum. Wieder im Gespräch obwohl beschlossen seit Jahren ist die Absenkung der ansteigenden Freifläche vor dem Eingang zur 1998 eröffneten Gemäldegalerie sowie die urbanere Gestaltung der unwirtlichen Gegend zwischen Philharmonie und Matthäuskirche.

Ab 2012 will man die Werkelei beginnen. 2,5 Millionen Euro stehen für die Nachbesserungen zur Verfügung. Sie sollen das Areal aufwerten, das bislang kaum zum Verweilen einlädt. Auf einem anderen Blatt steht die Realisierung des Masterplans, der 2005 vom Senat verabschiedet wurde und einige Neubauten vorsieht. Frühestens „um das Jahr 2020 herum“, so Senatsbaudirektorin Ingeborg Lüscher, sei damit zu rechnen.

Wegen der Wirtschaftskrise wird man die Grundstücke derzeit nicht los und das ist auch gut so, denn eine Bebauung des Kulturforums würde der Weiterentwicklung einer offenen Stadtlandschaft im Sinne Hans Scharouns – Architekt der 1960 bis 63 errichteten Philharmonie, des ersten markanten Gebäudes vor Ort – diametral entgegenstehen.

Große Bauvorhaben, die in den nächsten Jahren das Stadtbild verändern werden, spielen sich andernorts ab: Zum einen am Schlossplatz, wo das Humboldt-Forum mit den außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen im kuppellosen Schloss entsteht. Zum anderen rund um den Hauptbahnhof sowie an der dort beginnenden Heidestraße, die sich von Mitte durch Moabit in Richtung Wedding erstreckt. Hier entsteht ein riesiges neues Stadtviertel.

Ehemals Bahnhofsgelände

Heute ist das Gebiet an der Heidestraße, das sich früher im (staatlichen) Besitz der Deutschen Bahn befand und nun nach und nach von diversen privaten Investoren bebaut wird, noch stark durch die ehemalige Nutzung als Containerbahnhof und durch alte Lagergebäude geprägt. Brachland weitgehend, grau und wüst. Immerhin bringen einige private Galerien Farbe in den Alltag. Die Halle am Wasser ist hier ebenso beheimatet wie die Flick Collection.

Anknüpfend an diesen Kunstschwerpunkt, der gleich hinter dem Hamburger Bahnhof, dem Museum für Gegenwartskunst liegt, wünscht sich Berlins Regierender Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit eine Kunsthalle. Gebaut für die zeitgenössischen Pinselhelden und ihre Ware sollte sie als Touristenmagnet am Humboldthafen entstehen. Doch diese Blütenträume sind ausgeträumt. Realisiert wird jetzt eine Kunsthalle auf Zeit, die an verschiedenen Orten Stellung bezieht. 600 000 Euro hat der Senat dafür locker gemacht.

Zwar gibt es bereits jede Menge Institutionen zeitgenössischer Kunst in der Hauptstadt – unter anderem die Kunstwerke, zwei Kunstvereine, die Berlinische Galerie, das Haus am Waldsee oder besagten Hamburger Bahnhof – aber der Regierende sieht dennoch Bedarf.

Was nützen aber all die Institutionen, wenn sie nur eingeschränkte Mittel zur Verfügung haben, weil immer neue Schauplätze hinzukommen? Für die Preußenstiftung ist gerade das Neue Museum als weiterer Posten auf die Liste der Betriebs- und Personalausgaben gerückt.

Was überdies in der Palette des staatlichen Museumsangebots fehlt, wäre ein Haus für die Klassiker der Moderne - für Beckmann, Kirchner, Grosz und Co., die meist im Depot schmoren. Oder ein Neubau für die Bauhaus-Sammlung. Dem kleinen Bauhaus-Archiv am Landwehrkanal, Ende der 70er-Jahre nach Plänen von Walter Gropius entstanden, waren bereits 30 Mio. Euro für einen Erweiterungsbau in Aussicht gestellt worden. Nun genießen die reduzierten Kunsthallenaktivitäten Vorrang.

Von Andrea Hilgenstock

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