Die lustige Polkaband LaBrassBanda warf im Musiktheater den Turbo an

Wie man in Bayern rockt

Mitmachen war Pflicht: Der Auftritt von LaBrassBanda im Musiktheater vor 600 Besuchern. Foto:  Schachtschneider

Kassel. In München wütet das Oktoberfest, der 1. FCB gewinnt in Hoffenheim, und rockende Blaskapellen entstauben deutsche Konzerthallen. Bayern meldet sich zu Wort und klatscht sich dabei selbstbewusst auf die nackten Schenkel.

Tief dekolletiert, trickreich oder trashig, das Bundesland grantelt nicht nur Richtung Rest der Republik, sondern arbeitet kreativ an der Imagepflege. Dass man auch ohne Weißbierdusche und Gaudikappe eine zünftige Party feiern kann, bewies das lustige Polkageschwader LaBrassBanda im Kasseler Musiktheater.

Mit dreimal Blech plus E-Bass und Schlagzeug baute man die eigene musikalische Tradition in die Popkultur ein. Das Ergebnis dröhnte den 600 Gästen kräftig in den Kreislauf und sorgte für heftige Hitzeattacken. Frontmann Stefan Dettl hatte zur Abkühlung immer mal eine fesche Geschichte auf der Zunge, die sich allerdings keinen Millimeter vom bayrischen Dialekt weg zu bewegen wusste.

Doch keine andere Sprache hätte so einen intensiven Zugang zu der Musik von LaBrassBanda wie Alpenslang und Almgesäusel, und so reimte, sang und schrie man sich durch die rasenden Arrangements und die waghalsigen Interpretationen.

Kollektive Anarchie

Mitmachen war ein Muss und die Bühne wurde auch schnell einmal in den Saal verlagert. So entstanden Nähe, Sympathie und ein Gefühl der kollektiven Anarchie.

Für den zitherspielenden Volksmusikanten wäre das Gehörte freilich reinster Punk. Doch auch die Freunde anspruchsvoller Instrumentalbeherrschung kamen auf ihre Kosten.

Die teilweise klassisch geschulten Bandmitglieder ließen in Sachen Ansatz, Intonation und Satzspiel keine Brezel ungegessen.

Brillant auch das Zugabenmedley mit „I like to move it“ (Reel 2 Real), „Push it” (Salt n’Peppa) und „Waterfalls” (TLC).

Kleiner Fleck auf dem Leberkäse: Der Sound im Bassbereich war gewöhnungsbedürftig. Doch das hinderte niemandem daran, der Band heftigen Applaus zu spenden.

Von Andreas Köthe

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