Friedelind Wagner war das schwarze Schaf der berühmten Musikerfamilie - Biografie erschienen

Vom Bayreuther Intrigen-Clan

Eine Rebellin: Friedelind Wagner, Enkelin des Komponisten Richard Wagner und Tochter von Siegfried und Winifred Wagner. Foto:  dpa

Bayreuth. Der Wagner-Clan ist reich an eigenwilligen Gestalten. Man denke nur an die naive Hitler-Bewunderin Winifred Wagner oder an ihren machtbewussten Sohn Wolfgang. Die Fehden und Machtkämpfe der Bayreuther Dynastie standen in ihrem Unterhaltungswert den Intrigen der Ewings oder des Denver-Clans niemals nach. Eine der interessantesten Personen dieser schillernden Musikerfamilie ist Friedelind Wagner (1918-1991), Enkelin Richard Wagners und Tochter Winifreds.

Sie war die Rebellin der Familie. Denn früh wandte sie sich gegen den nazifreundlichen Kurs der Mutter und emigrierte. Eva Rieger hat dieser „rebellischen Enkelin Richard Wagners“ nun eine Biografie gewidmet.

Schon zu Beginn stellt Rieger fest, was für ein Pech es für Friedelind war, dass sie als Mädchen zur Welt kam: „Vieles wäre anders verlaufen, wäre sie als Junge geboren worden. Mit ihrer dominanten Wesensart, ihrer Impulsivität, der musikalisch-künstlerischen Begabung stach Friedelind die Brüder Wieland und Wolfgang aus, und als Junge wäre ihr das erst recht gelungen.“

Doch an der männlichen Erbfolge hielt man in der Familie Wagner eisern fest. Dass Winifred ans Ruder kam, war eher ein Unfall, da ihr Mann Siegfried so früh starb. Der erste Teil des Buchs, das sich vor allem auf den umfangreichen Nachlass Friedelind Wagners stützt, ist dem Mutter-Tochter-Konflikt gewidmet. Beide waren starke Persönlichkeiten, und so war der Zusammenprall wohl unvermeidlich.

Auch Friedelind Wagner stand anfangs wie ihre Mutter im Banne Hitlers. Doch sie machte dann eine andere Entwicklung durch. Am Ende stand eine radikale Abkehr von Hitler und von Nazi-Deutschland. Diese machte sie in britischen Zeitungen öffentlich.

Eva Rieger findet Friedelinds Haltung bewundernswert. Sie habe weitaus mehr geleistet als ihre „politisch affirmativen Brüder“. Dabei sei es ihr von keiner Seite gedankt worden. Am Ende kostete sie ihr Exil auch eine mögliche Festspielleitung.

Sehr kritisch geht Rieger mit Wolfgang Wagner um, der die Festspiele von 1951 bis 2008 leitete. Er habe nicht nur Friedelinds politische Haltung negiert und ihr private Gründe für die Emigration unterstellt, sondern auch ihr berechtigtes Erbe totgeschwiegen. (dpa)

Eva Rieger: Friedelind Wagner, Piper, 512 Seiten, 24,99 Euro, Wertung: !!!!:

Von Sibylle Peine

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