Die kongolesische Band Staff Benda Bilili begeisterte das Kulturzelt mit Funk und selbst gebastelter Laute

Beats mit Konservenbüchse

Begeisternde Energie: Coco Ngambali Yakala (von links), Ricky Likabu Makodu, Théophile Nsituvuidi Nzonza, Kabose Kabamba Kasongo, Cavalier Kiara Mayingi und Djunana Tanga Suele im Kulturzelt. Foto:  Socher

Kassel. Wird Zeit, dass ein neues Instrument die internationalen Bühnen erobert. Roger Landu Satongé tut jedenfalls alles dafür. Der 17-jährige Straßenjunge aus Kongos Hauptstadt Kinshasa hat es erfunden und kurzerhand nach sich selbst benannt.

Die Satongé ist eine einsaitige Laute, die die Form eines Ölkännchens hat und hauptsächlich aus einer alten Konservenbüchse, einem gebogenen Stab, Klebeband und einer Saite besteht, die mit einem Plektrum angeschlagen und mit einem Abnehmer verstärkt wird. Das Ergebnis ist ein Klang, der sich zwischen quietschenden Reifen, Rockgitarre im fortgeschrittenen Exzessstadium und singender Säge bewegt.

Satongé - in Basecap und schwarzer Sporthose - war mit seiner Konservenbüchsenlaute bejubelter Solist eines außergewöhnlichen Konzertes im Kasseler Kulturzelt. Am Donnerstag trat dort vor etwa 500 Zuschauern die kongolesische Formation Staff Benda Bilili auf. Die Männer um den majestätischen Leiter Ricky Likabu Makodu mit weißem Cowboyhut sitzen teilweise im Rollstuhl oder gehen an Krücken - die Folge einer Polioerkrankung.

Doch mit welcher Energie und guter Laune die achtköpfige Truppe das Zelt gerockt hat, war beeindruckend. Djunana Tanga Suele, der fast keine Beine hat, hüpfte sogar zwischendurch aus dem Rollstuhl und tanzte wild am Boden.

Kabose Kabamba Kasongo mit den Krücken - den sein Manager als besten Tänzer Kinshasas bezeichnete - schmiss das verkrüppelte Bein derartig in der Luft herum, dass man es mit der Angst bekommen konnte. Er steuerte auch kurze Sprechgesang-Passagen bei - ein bisschen wie ein Rapper.

Mastermind Coco Ngambali Yakala, der die meisten Lieder geschrieben hat, war Leadsänger und spielte Gitarre. Folklore machen Staff Benda Bilili nicht, auch Afrika-Klischees werden hier nicht erfüllt. Vielmehr gibt es Funk in bester James-Brown-Manier und Afrobeats nach Art des nigerianischen Meisters Fela Kuti.

Schön wären allerdings Ansagen gewesen, die die Titel ein bisschen erklärt hätten. 90 Minuten inklusive Zugaben lang groovte die Band und lockte die Zuhörer mehr und mehr in Tanzlaune. Vorsänger und Chorgesang wechselten sich ab, Montana Kinunu Ntunu traktierte das teils ebenfalls selbst gebastelt wirkende Schlagzeug und Cavalier Kiara Mayingi prägte das musikalische Geschehen stoisch-cool am funkigen Bass.

Heute im Kulturzelt: Jan Josef Liefers & Oblivion, morgen: 17 Hippies. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Für beide Konzerte gibt es nur noch Restkarten an der Abendkasse.

Von Bettina Fraschke

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