Konzert-Lesung mit der Uraufführung von Charlotte Seithers „Cry“

Solistin Hannah Weirich Foto: Werthschulte

Kassel. War es das schwülwarme Wetter oder das Genre der Neuen Musik, warum am Samstagabend die Zuhörer in der Martinskirche ausblieben? Das Echo auf das fünfte Konzert der Reihe „Weg mit Abschied“ mit der herausragenden Geigerin Hannah Weirich blieb jedenfalls mit 20 Besuchern sehr verhalten.

Mit Solowerken Johann Sebastian Bachs, György Kurtágs (*1926) und Charlotte Seithers, die anwesend war, brachte die hochkonzentrierte Geigerin die Vielseitigkeit, Tiefe und Virtuosität ihres Instruments in der nachhallenden Akustik zum Leben. Unterstützt wurde sie von Pfarrerin Gabi Heppe-Knoche, die aus Dürrenmatts „Physikern“ sowie aus Werken von Arno Geiger und Reiner Kunze vortrug. Damit spann sie das ausgeklügelte dramaturgische Konzept des Abends gedankenreich fort.

So wie sich die Uraufführung, Seithers „Cry“, mit dem Ausdruck des Schreis auseinandersetzt, kreisten die anderen Beiträge um eng verwandte Themen: Schmerz, Krankheit und Tod.

Kurtágs kurze „Signs, Games and Messages“ spielte Weirich musikalisch verständig und technisch scheinbar mühelos, ohne sich vom Drall der Stücke aus der Bahn werfen zu lassen. Ebenso energiegeladen zeichnete sie in „Cry“ mit über die Saiten gleitenden Fingern Klangspuren wie hektische Sirenen in den Raum, oft kombiniert mit Doppelgriffen, gezupften oder langen gestrichenen Einzeltönen. So blieb der Eindruck einer aufwühlenden, durch Mark und Bein gehenden Ballade.

Mit der bekannten „Cha-conne“ aus Bachs Partita in d-Moll, deren übrige Sätze sich wie ein roter Faden durch das Konzert gezogen hatten, beendete die Geigerin in einem fast zeitrafferartigen Rausch das kräftezehrende, aber im Hörer lang nachhallende Konzert.

Von Felix Werthschulte

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