Beethoven dramatisch: Martin Lüker spielte mit dem Harleshäuser Kammerorchester

Umgeben vom Orchester und von Zuhörern: Martin Lüker war der Solist des Herbstkonzertes in der Erlöserkirche. Foto: Hedler

Kassel. In Beethovens Egmont-Ouvertüre, die als Musik zu Goethes gleichnamigem Drama geschrieben wurde, ist die Tragik des Aufstands der Niederländer gegen die spanische Macht für die Hörer stets präsent – von den harten Schlägen des Orchester-Beginns bis zum triumphalen Schluss.

Das zum Sinfonieorchester erweiterte Harleshäuser Kammerorchester vermittelte am Sonntag beim Herbstkonzert in der Erlöserkirche einen starken Eindruck von der Dramatik des Geschehens. Kompakt, klangstark und hellwach spielten die Musiker unter der Leitung von Matthias Enkemeier.

Auch ohne eigentliche Handlung ist das vierte Klavierkonzert Beethovens, in G-Dur, ebenfalls ein Drama – eines, das sich zwischen dem Solisten und dem Orchester abspielt.

Der Kasseler Martin Lüker war der Solist, und die Einleitungstakte – vom Klavier allein gespielt – kamen so fragend, tastend, als ob diese Musik gleich wieder abbrechen müsste, würde sie nicht vom Orchester fortgeführt. Das wird sie natürlich, aber in der entfernten Tonart H-Dur – Auftakt zu einem reizvollen Dialog mit dem Solisten, der den elegischen Gestus beibehält, auch wenn er in virtuosen Läufen und Trillerkaskaden Glanz verbreitet.

Lüker, ein Schüler Anatol Ugorskis, fand dafür einen wunderbar lyrischen Ton und beeindruckte darüber hinaus mit souveräner Virtuosität. Die auffahrende Kadenz kündigte dann bereits die Spannung zwischen den heftigen Orchester-Unisoni und den melancholischen Klavier-Grübeleien im zweiten Satz an. Toll gestaltete Lüker den dissonanten Ausbruch des Klaviers, der in das konzertierende Miteinander des dritten Satzes mündet.

Den heftigen Beifall und die Bravos beantwortete Lüker mit zwei Zugaben: einem f-Moll-Moment-Musical D 780 von Schubert und – augenzwinkernd – mit Beethovens „Für Elise“.

Technisch und intonatorisch ungleich heikler wurde es für das Orchester bei der abschließenden Mozart-Sinfonie Es-Dur KV 543. Enkemeier dirigierte engagiert, doch einige Musiker stießen vor allem im rasanten Finale merklich an ihre Grenzen.

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