Das Quatour Danel eröffnete fulminant das Musikfest Kassel

Das Quatour Danel: (von links) Marc Danel, Gilles Millet, Vlad Bogdanas und Guy Danel. Foto: Malmus

Kassel. Man kann sich die einschüchternde Wirkung, die Beethoven (1770-1827) auf nachfolgende Komponistengenerationen ausübte, heute nur noch schwer vorstellen. Unerreichbar, unübertreffbar schienen insbesondere seine Streichquartette.

Doch sowohl Claude Debussy (1862-1918) als auch César Franck (1822-1890) haben mit ihren einzigen Streichquartetten diese Scheu jeweils einmal überwunden - und Meisterliches geschaffen.

Ebenso meisterlich gespielt wurden die beiden Solitäre zum Auftakt des Musikfestes Kassel vom belgischen Quatour Danel. Noch bis zum Samstag widmet sich das Festival in der documenta-Halle unter dem Titel „Moments Musicaux“ französischer Kammermusik.

Etwas tastend, fernab der selbstgewissen Kompaktheit vieler jüngerer Quartette, begann das Quatuor Danel Debussys Quartett g-Moll op. 10, dessen einleitendes Dreitonmotiv zur Grundlage zahlloser melodischer und klanglich-harmonischer Verwandlungen wird.

Fantastisch, wie die belgischen Musiker im Verlauf das Werk mit extrem emotionalem Spiel und gleichzeitig feinster Klangkultur zum Leuchten brachten. Besonders eindrucksvoll: die körperhafte Tongebung ohne romantische Verunklarungen bis ins Pianissimo, auch das klangvolle Pizzicato im zweiten Satz, dem Scherzo. Selbst der zu Beginn mit Dämpfer gespielte dritte Satz verlor sich nicht im Sphärischen, sondern war durch und durch substanziell und führte zu einer hochemotionalen Verdichtung.

Energisch, intensiv, aber ohne insistierende Selbstgewissheit folgte der erste Satz von Beethovens Quartett F-Dur op. 18,1. Einfach grandios, ein dramatischer Gesang voller Nuancierungen und Gefühlstiefe war das Adagio, dessen Beklemmung sich im Scherzo nicht ganz, sondern erst im etwas lässig gespielten Finale vollständig löste.

Emotionales Kraftzentrum des Ensembles ist unzweifelhaft der Primarius Marc Danel - ein herausragender Geiger. Wie er bei César Francks oberstimmenbetontem, sich sinfonisch weitendem Quartett D-Dur das Ensemble anführte, antrieb und im zentralen Larghetto-Satz auch überstrahlte, war große Kunst, auch wenn sich am Ende dieser klanglichen Parforcetour leichte Ermüdung einstellte. Danach gab’s viele Bravos, und für Entspannung in der voll besetzten documenta-Halle sorgte eine Zugabe von Moshe Vainberg.

Musikfest Kassel heute, Mittwoch, 20 Uhr, documenta-Halle: Französische Lyrik und Klaviermusik mit Thomas Bockelmann und Marie-Claire Ludwig (Rezitation) sowie Michael Kravtchin (Klavier). www.konzertverein-kassel.de

Von Werner Fritsch

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