„Ihre Version des Spiels“ von Yasmina Reza wurde am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt

Nur die Befindlichkeiten einer Autorin

Verzweiflung und Tragik: Corinna Harfouch spielt die Hauptrolle in „Ihre Version des Spiels“ am Deutschen Theater. Foto:  Drama-Berlin

Berlin. Erfolgsautorin Yasmina Reza hat wieder zugeschlagen. Weltweit ist die 1959 in Paris geborene Französin die meistgespielte zeitgenössische Dramatikerin. Mehrfach mit dem „Prix Moliere“ ausgezeichnet, eroberte sie 1993 mit „Kunst“ die Bühnen von New York bis Tokio. Auch Romane hat sie veröffentlicht und nach dem letzten Theatererfolg „Der Gott des Gemetzels“ ein neues Stück. Das wurde jetzt am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt.

„Ihre Version des Spiels“ klingt interessanter als es ist, denn diesmal beschäftigt Yasmina Reza eine Insider-Thematik - das Los der Schriftstellerin, die innerhalb einer Lesung durch den Unterschied zwischen Fiktion und Realität durcheinandergerät. Sie selbst sagte im „Welt“-Interview: „Es geht um etwas, das ich zwischen mir und mir ausfechte. Ich habe es verfasst, um die Problematik, Geschriebenes und Erlebtes getrennt zu halten, zu hinterfragen.“ Dies ist für die Allgemeinheit nur mäßig spannend.

Autorin Nathalie Oppenheim dient als Alter Ego mit ihrem Roman „Land des Überdrusses“, der in einer Mehrzweckhalle in der Provinz vorgestellt wird. Die Uraufführung ging übrigens auch deshalb nach Berlin, wo Stephan Kimmig eine ebenso schlaue wie adäquate szenische Realisierung findet, weil die Autorin sich nicht selber spielen wollte, wie Regisseur Luc Bondy dies vorschwebte.

Nun wird sie grandios verkörpert durch Corinna Harfouch. Man versteht, warum Reza, die auch Schauspielerin ist, sich nicht outen mochte. Großartig verkörpert deshalb, weil Corinna Harfouch nicht nur zickig sein kann, sondern auch Verzweiflung und Tragik zum Ausdruck bringt, die dieser Persiflage innewohnen. Auf der Bühne der Kammerspiele tummeln sich zunächst die Zuschauer, das Parkett ist gesperrt. Später dürfen sie im auf der Bühne aufgebauten Zuschauerbereich Platz nehmen.

Sie sind also Teil der Bühnenfiktion. Als Zuschauer im Stück sind sie gekommen, um die - langweilige - Lesung der berühmten Autorin zu erleben. Diese wird durch die Fragen der selbstbewussten Journalistin Rosanna (dauerlächelnd: Katrin Wichmann) ins Streit-Gespräch verwickelt und aus der Fassung gebracht. Bibliothekar Roland Boulanger, den Alexander Khuon wunderbar amüsant als in Nervosität gefangenen Anbeter gibt, sekundiert.

Die kapriziöse Autorin ärgert sich zunehmend, wohl nicht zuletzt über sich selbst, dass sie diese Lesung doch zugesagt hatte. Gegen Ende der zwei Stunden tritt noch ein Bürgermeister in Erscheinung (schnittig: Sven Lehmann). Nach und nach erobern die Schauspieler das leer gebliebene Parkett als Spielfläche. Die Realität hat die Spieler nun alle in ihrem nicht minder absurden Griff – eine Schriftstellerin im Rotwein-Rausch, einen Bibliothekar, der über sie herfällt, eine Journalistin, die sich distanziert, und einen Politiker, der monologisiert.

Wieder am 6., 9., 10. und 19. Oktober, Kartentelefon: 030-28441225.

Von Andrea Hilgenstock

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