Theater AG der Grimm-Schule begeistert mit "Wörter und Körper"

Charlotte Klinger als Lina Sommer und Jasper Engelhardt als Wachmann. Foto: Fischer

Kassel. Wer hält einer in Normen und Lügen erstarrten Gesellschaft den Spiegel vor? Es sind immer die, die ihre eigenen Wege gehen und eigene Werte definieren. In Martin Heckmanns Stück „Wörter und Körper“ heißt so eine Figur Lina Sommer.

Der Ort ihrer und anderer Begegnungen ist ein Bahnhofsvorplatz – Symbol für Abschied und Ankunft, aber auch Umschlagplatz für Suchende und Gestrandete.

Die Theater AG der Jacob-Grimm-Schule widmete sich Heckmanns Fragen nach dem Zusammenhang und den Möglichkeiten des Miteinanders mit viel Tiefgang und ausgezeichneten Darstellerleistungen. Am Freitag wurde im gut besuchten Dock 4 Premiere gefeiert. Schon die Idee, die Leiterin M. João Ventura für das Bühnenbild hatte, verdient Applaus: Ein wuchtiger, die ganze Fläche einnehmender Metallrahmen, in dem ein Netzwerk aus Stricken verwoben wurde.

Etwa 40 Zentimeter über dem Boden schwebt dieses Netzwerk. Wer hier über die Bühne schritt, der musste nicht nur den Text, sondern auch seinen Körper beherrschen.

Lauter Abgesänge

Im Mittelpunkt der Handlung steht Lina (Charlotte Klinger, glaubwürdig und facettenreich), zugleich kesse, aufbegehrende Göre und junge verletzbare Frau. Schnell wurde sie zur Sympathieträgerin. „Ich bin nicht gut im Bleiben“, erklärt die Suchende und bilanziert: „Man nimmt mich als Mensch nicht wahr.“

Ein Gefühl, das andere Figuren mit ihr teilen. Der Stadtstreicher, der träumt, er könne politisch von großer Bedeutung sein, das blutleere Ehepaar („Statt für Kinder haben wir uns für den Beruf entschieden“), der Geschäftsmann, der Lina rät - „Du musst die Leute emotional packen“, der Schriftsteller, der mit ihr seine Leere füllen will - lauter Abgesänge. Stark in Szene gesetzt. Lang anhaltender Applaus.

Es spielten: Charlotte Klinger, Maximilian Gallo, Julia Barsukov, Carolin Lutz, Valentin Stein, Benjamin Maksumic, Charleen Kissel, Zovinar Löbel, Jasper Engelhardt, Jonas Wicke, Anuschka Carl.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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