Multitalent in Lokhalle

Sie beherrscht die Show: Ina Müller begeisterte das Publikum in Göttingen

Begnadete Entertainerin: Ina Müller bei ihrem Göttinger Auftritt. Foto: Jelinek

Göttingen. Ina Müller ist ein Multitalent. Sie ist Kabarettistin, Sängerin, Buchautorin, TV-Showmoderatorin. Was kann sie am besten? Nimmt man ihren Auftritt am Samstag in der ausverkauften Göttinger Lokhalle zum Maßstab, dann würde man sich wohl für die singende Entertainerin entscheiden. 

Dass sie in ihren Liedern, wie auf ihrer vorgestellten neuen CD „48“, nicht nur kesses Selbstbewusstsein, sondern auch Ängste und andere tiefe Gefühle thematisiert, ist ein Kontrast, der bisweilen sehr groß erscheint, wenn man sie eben noch über „Sex und bumsen“ kalauern hörte, über das Nichtstun, das ihr „auf den Sack geht, weil ich nie weiß, wann ich damit fertig bin“ oder wenn man sie einfach beim Rumalbern erlebt: „Wenn man durch schwimmen schlank wird, dann frage ich mich, warum Wale so fett sind.“

Auch das Älterwerden nimmt sie beständig auf die Schippe. Sie rät, sich „ohne Brille vor den Spiegel zu stellen“, und besingt in einem Stück burschikos die Kontraste: „Jungs mit Mitte zwanzig sind so süß anzusehen, wenn sie zum Duschen gehen.“ Männer Mitte fünfzig hingegen ernten von ihr nur Spott, so als seien Liebe und Sex nur eine Frage der Optik. Auch sich selbst gegenüber ist die 48-jährige in diesem Punkt gnadenlos, singt „selbst meine Falten können das Make-up nicht mehr halten“. Doch wie sie das alles präsentiert, sichert ihr die Sympathie des Publikums.

Die Lieder ihrer neuen CD haben Schwung, nicht aber übertrieben viel musikalischen Anspruch. Etwas Schlager-Aroma, etwas Pop, Countryanleihen – allein vom Hören würde man diese Stücke, die sie allerdings sehr gut singt, wohl kaum vermissen. Aber eingebunden in ihre Show, in der wunderschönes Licht und romantische Videoprojektionen für Effekte sorgen, und verschmolzen mit der sympathisch frechen Entertainerin, punkten sie beim Publikum.

Dazu noch ihre erzählten Erinnerungen an ihre Kindheit auf dem Land - „Wir waren fünf Schwestern und hatten das Gras zwischen den Zähnen und Kuhscheiße unter den Füßen“ - und der Publikumsliebling ist fertig. Viel Applaus zum Beleg.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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