Kabarettist Max Uthoff im Anthroposophischen Zentrum

Beißender Zynismus

Kaum jemand kommt ungeschoren davon: Max Uthoff bei seinem Auftritt in Kassel. Foto: Zgoll

Kassel. „Wer immer wieder dasselbe sagt, hat recht.“ So beginnt Kabarettist Max Uthoff seinen Phrasenwasserfall am Donnerstag im Anthroposophischen Zentrum. „Umverteilung ist Sozialismus. Uli Hoeneß ist kein Sozialismus.“ Erste Lacher in unter einer Minute.

Mit einem Megafon kommt Uthoff auf die Bühne und seziert feinsäuberlich die leeren Wortwolken und immer wiederkehrenden Plattitüden aus Politikermündern und Fernsehgeräten. Überaus souverän wirkt der Gastgeber der ZDF-„Anstalt“ mit seinem Anzug, der Krawatte und dem perfekt inszenierten Nachrichtensprecherduktus. Die erste Hälfte bildet ein erbitterter politischer Abriss der letzten 40 Jahre, der an beißendem Zynismus schwer zu überbieten ist. Dabei kommt kaum ein Politiker heil aus Uthoffs Arena heraus. Weder der „juristische Terrormops Peter Gauweiler“ noch „Kim Jong Merkel“ und Ursula von der Leyen, die nicht nur „die Jacken ihrer Kinder, sondern auch den Stahlhelm ihres Vaters“ auftrage.

Furchtlos bezieht der Kabarettist Stellung zum Rechtsradikalismus und macht klar, dass es keinen positiven Patriotismus geben könne und Pegida das beste Beispiel für eine große Gruppe von Menschen sei, die „das Vakuum zwischen ihren Ohren zur Schau stellen“.

Die zweite Hälfte der zwei Stunden bringt etwas Auflockerung für die 550 Zuschauer. Der Rechtswissenschaftler aus München macht sich über seine Heimat lustig: „Für uns Bayern ist es Diskriminierung, wenn immer nur der Kompetente den Job bekommt“, parodiert die Geißens und die Volksmusikbranche.

Hinter Uthoffs Witzen steckt mehr Wahrheit, als einem lieb ist. Es gab tosenden Applaus für den vielleicht ehrlichsten Jahresrückblick 2014.

Max Uthoff gastiert am 30. Juni beim Vellmarer Festival Sommer im Park. HNA-Kartenservice: 0561/203-204.

Von Philine Proft

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