„Hat Gott Humor?“ – In der Caricatura wurde über das Thema religiöse Satire gestritten

Beleidigt sein reicht nicht

Es debattierten (oben von links): Titanic-Anwältin Gabriele Rittig, Zentralrats-Vorsitzender der Muslime Aiman Mazyek, Dechant Harald Fischer, (unten von links) HR-Moderator Arne Kapitza, Satiriker Wiglaf Droste und Autorin Felicitas Hoppe. Fotos: Schachtschneider

Kassel. Die Frage „Hat Gott Humor?“, die als Titel über der Diskussionsrunde am Freitag in der Caricatura stand, wurde schnell zurück auf die Erde geholt. Tatsächlich wurde verhandelt, ob die Menschen Humor haben, wenn es um religiöse Fragen geht, und was sie gegebenenfalls an Zumutungen durch satirische Darstellungen auszuhalten haben.

Die Caricatura war schon deshalb der richtige Ort für das Gespräch im Rahmen des Kasseler Komik-Kolloquiums, weil sich an der hier im vergangenen Sommer plakatierten Jesus-Karikatur von Mario Lars ein Streit entzündet hatte. Vertreter der christlichen Kirchen hatten gefordert, das Bild mit seinem obszönen Text abzuhängen, was der Künstler auch tat. Dechant Harald Fischer begründete als Podiums-Teilnehmer das Vorgehen und betonte, man habe keine Zensur ausüben wollen und nicht die Entfernung der Karikatur aus der Ausstellung verlangt. Doch sei die plakative Außendarstellung, die die Gefühle vieler Gläubiger verletzt habe, „unangemessen“ gewesen. In einem Diskussionsbeitrag wies Caricatura-Leiter Martin Sonntag jedoch darauf hin, dass es eine „organisierte Erregung“ bis hin zu Drohungen gegeben habe.

Was darf Satire aber nun wirklich, und was ist mit denen, die sich durch sie in ihrem Glauben beleidigt fühlen? Einigkeit herrschte in der von HR-Redakteur Arne Kapitza moderierten Runde, dass der Grundgesetzartikel 166, der die Gefährung des öffentlichen Friedens als Grenze des Erlaubten festlegt, ausreichend sei. Doch zeigten sich da schon Unterschiede. Während der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, meinte, es gelte schon „das Heilige zu schützen“, betonte Gabriele Rittig, die als Anwältin für das Satiremagazin „Titanic“ tätig ist, dass es nicht darum gehe, ob sich jemand persönlich in seinen Gefühlen verletzt fühlt.

Ihr resignatives Fazit: Die Justiz tue sich schwer mit dem Thema Satire, da ihm mit rationalen Argumenten kaum beizukommen sei. Die meisten Gerichte seien überdies „zu feige“, um gegen Kirchen zu urteilen: „Das kann man knicken.“

Wichtig sei deshalb der direkte Dialog. Zu Dechant Fischer gewandt sagte Rittig: „Wenn alle so wären wie Sie, hätten wir keine Probleme.“ Wie schwierig der Dialog aber ist, zeigte ihr Wortgefecht mit Aiman Mazyek, der entgegen der Argumente aller anderen Diskutanten darauf bestand, die dänischen Mohammed-Karikaturen seien rassistisch.

Der Satiriker Wiglaf Droste betonte dagegen die aufklärerische Funktion der zuspitzenden Satire, einer Kunstform, die noch von viel zu wenigen Menschen verstanden werde. Auch eine köstliche Probe seiner Kunst, ein Ratzinger-Gedicht, steuerte Droste bei. Erhebliche Einwände gegen Drostes Position brachte aber die Schriftstellerin Felicitas Hoppe vor. Sie bezweifelte, dass Satire überhaupt eine Zukunft habe. Ihre These: „Religion ist stärker als die Kunst, die sich seit ewigen Zeiten an ihr abarbeitet.“

Die Diskussion wird am 25. August auf HR2 gesendet.

Von Werner Fritsch

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