Berlinale: Eine politisch aufmerksame Jury

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Jurymitglied: Die iranische Regisseurin Shirin Neshat.

Berlin. Eine Frau stand im Mittelpunkt bei der Vorstellung der Internationalen Jury der Berlinale - recht war ihr das anfangs nicht. Videokünstlerin Shirin Neshat bekam die meisten Fragen der Weltpresse.

Die Iranerin mit dem schwungvollen Augen-Make-up hatte bei der Documenta 2002 eine Videoinstallation gezeigt: „Tooba“.

Nun wurde sie zu ihrer aktuellen Arbeit gefragt. Sie interessiere sich sehr für das Schaffen weiblicher Künstler, sagte sie. Ihr nächstes Projekt sei ein Spielfilm über die populäre ägyptische Sängerin Oum Kolthum. Neshat möchte der Welt zeigen, dass es in den islamischen Ländern auch eine anspruchsvolle Kultur gebe. In ihr Heimatland könne sie nicht reisen, aber sie nehme viel Anteil, was dort geschieht. Gefragt nach dem Wettbewerbsfilm des Iraners Jafar Panahi, der trotz Berufsverbots gedreht hat, betonte sie: „Die Jury bewertet Filme nicht nach dem politischen, sondern nach dem künstlerischen Wert.“ Die dänische Regisseurin Susanne Bier verriet dazu eine Jurystrategie, die Vorsitzender Wong Kar Wai eingeführt habe: Es wird nicht darüber gesprochen, was man an einem Film kritisiert, sondern nur, was gut daran ist: „Wir wollen Filme wertschätzen.“

US-Kamerafrau Ellen Kuras nannte als weiteres Kriterium: „Wie fühlt sich ein Film an?“ Das sei wichtiger als die Frage, wie er technisch entstanden ist. Der deutsche Juror, Regisseur Andreas Dresen, freut sich auf osteuropäische Filme im Wettbewerb - die habe er in vergangenen Jahren vermisst.

US-Schauspieler und Regisseur Tim Robbins sprach kritisch über die Waffenfrage in seiner Heimat. Darauf angesprochen, ob ihn ein Film über den Amoklauf an der Schule in Connecticut interessieren würde, erwiderte er: „Gewalt im Film kann schnell pornografisch werden“, es sei manchmal jedoch nötig, sie zu zeigen. Gerade in ihren Auswirkungen auf den Geist.

Athina Rachel Tsangari, Regisseurin aus Griechenland, berichtete von viel Solidarität der Filmleute in ihrem Land: Die Krise bewirkt etwas Gutes.

Von Bettina Fraschke

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