Berlinale: Eröffnung mit furiosem Western „True Grit“ der Coen-Brüder

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Auf Mördersuche: Marshal Cogburn (Jeff Bridges) und die 14-jährige Hailee Steinfeld als Mattie.

Das sind vielleicht Westernhelden. Cogburn hockt auf der Latrine, als das Mädchen Geschäfte mit ihm abschließen will, LaBeouf ist ein selbstgefälliger Dandy mit Lederfransenhemd. Wenn einer hier echten Schneid, den „True Grit“ des Filmtitels, hat, dann ist es die kleine Mattie.

1872 in Arkansas. Da, wo die Eisenbahnschienen im Nichts enden, will das Mädchen den Mörder ihres Vaters finden, Tom Chaney. Und heuert dafür Marshal Rooster Cogburn an. Dummerweise ist der ein versoffener Eigenbrötler und hat kein Interesse. Erst mal. LaBoeuf (Matt Damon) drängt sich stattdessen auf. Doch der scheint unseriös. Beide kommen schließlich doch mit, aber die Jüngste hat die Hosen an.

Joel und Ethan Coen haben Matties Rachefeldzug im Wilden Westen geradlinig verfilmt. Eine großartige Berlinale-Eröffnung mit nur kleinen Abstrichen. Jeff Bridges als heruntergekommener Marshal entzaubert genretypische Männlichkeitsklischees und reitet, schießt und säuft mit Lust - am besten alles gleichzeitig.

Mattie (die 14-jährige Hailee Steinfeld) legt das Mädchenkleid ab und den riesigen Stetson ihres Vaters an - ihr erster Schritt zum Großwerden. Weitere Stationen sind Leichen, Hinterhalte, Verwundungen.

Die Coens erzählen vom Erwachsenwerden, von Männerposen, aber auch von grandioser, weiter Landschaft. Flirrendes Licht im Pappelhain (auch ein Erhängter hoch oben, na ja, kommt vor). Schnee stiebt in der Schlucht. Die Besessenheit für Details, der derbe Witz und die komplexen Figuren sind das Coen-typische an „True Grit“.

Gleichzeitig muss man feststellen: Die formale Perfektion ist so groß, dass der Film nur um sich selbst kreist, sich selbst genug ist. Bezüge zum Vorgängerfilm mit John Wayne als Marshal (1969) lehnen die Macher ab. Aber sie wecken die Sprachkraft der Vorlage: Charles Portis Roman von 1968 klingt, als wenn Shakespeare Gedichte für Cowboys schreibt, sagte Schauspieler Barry Pepper (der Oberschurke). So bleiben die Duelle im ersten Teil verbal. Wie Wort-Dolche fliegen zwischen Mattie und ihren Begleitern die blank polierten Sätze hin und her - furios. Der zweite Teil, wo Gewehrkugeln sausen und die Konfrontation mit Mörder Chaney stattfindet (erstaunlich, dass Josh Brolin ihn so spielen kann, als hätte er keinen Grips), muss sich dagegen an die gut getimte Action halten. (fra)

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