Berlinale: Fünf Filme zwischen Erfolg und Scheitern

+
Wehrt sich gegen Willkür: Suzanne (Pauline Etienne) in dem Film „La Religieuse“.

Endlich raus hier. Fesseln weg. Konventionen über Bord. Viele Filme auf der Berlinale zeigen Menschen, die in ihrem Leben neu anfangen wollen - oder müssen. Eine Typologie der Neustarts.

Externes Video:

Hessen Talents 2013 (Youtube)

Suzanne (Pauline Etienne) hat sich ihr Leben nicht ausgesucht. Ihre Eltern hatten kein Geld für eine Hochzeit, sie wurde ins Kloster gesteckt. In Guillaume Nicloux’ Film „La Religieuse“ (Die Nonne, auch mit Isabelle Huppert und Martina Gedeck) nach dem Roman von Denis Diderot begehrt ein Mädchen gegen Willkürherrschaft zweier Äbtissinnen, gegen religiösen Fanatismus und Missbrauch auf. Und entgegen alle Wahrscheinlichkeit im Frankreich des 18. Jahrhunderts findet sie Gehör.

Die Sinnliche

Gloria ist 58 und sucht die Liebe. In Chile spielt Sebastián Lelios kraftvoller Film „Gloria“ mit Paulina García als famoser Hauptdarstellerin. Gloria will das Leben in vollen Zügen genießen - tanzend, erotisch, mit Drinks und Joints. Und weil der Liebhaber Rodolfo nicht so frei ist, wie es für einen gemeinsamen Neuanfang nötig wäre, liefert sie ihm eine der besten Abservier-Szenen der letzten Kinojahre: Sie ballert auf ihn mit einem Spielzeug-Farbgewehr ausgerechnet aus seinem eigenen Paintball-Freizeitpark.

Der Verzweifelte

Malgoska Szumowska porträtiert in „W Imie...“ einen polnischen Priester, der seine homosexuellen Neigungen nicht mehr verdrängen kann. Höhepunkt: Adam schüttet eine Flasche Wodka in sich hinein und tanzt einen wilden Tanz mit einem Papst-Benedikt-Gemälde. Danach geht’s ihm besser.

Der Liebeswütige

Charlie weiß nicht, wohin mit sich, bis seine tote (!) Mutter ihm den Tipp gibt: Fahr nach Bukarest. Der Chicagoer Nichtsnutz wird dort im Film „The necessary Death of Charlie Countryman“ von Fredrik Bond so derartig ins Schlamassel geschickt, dass es schon leicht surreal wird. Das geordnete Leben ist futsch, und Jungstar Shia LaBeouf schaut man gern dabei zu, wie er sich in diesem komischen, Technomusic-lastigen Drogenabenteuer zum Affen macht.

Der Scheiternde

Sasha hat eine marode Farm in Nordrussland wieder ins Laufen gebracht. Nun wollen die Behörden sie ihm abnehmen, und er ist bereit, die Entschädigungszahlung zu akzeptieren. Bis seine Mitarbeiter rebellieren. Sasha nimmt für sie den aussichtslosen Kampf auf. Boris Khlebnikovs krasser Film „A long and happy life“ braucht kaum Worte. In einer wahnwitzigen Autofahrt zeigt er stattdessen die Verzweiflung eines Menschen, der den Neuanfang will, aber nicht schafft. Und dabei zum Mörder wird.

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.