Einziger deutscher Wettbewerbsbeitrag

Berlinale: Nina Hoss im Western „Gold“

Schwieriger Aufbruch: Emily (Nina Hoss) und Carl (Marko Mandic) satteln die Pferde. Fotos: Berlinale

An ihren Haaren sieht man es zuerst. Nina Hoss’ Hochsteckfrisur löst sich unumkehrbar auf, je tiefer ihre Figur Emily in die Wälder Kanadas hineinreitet.

Und das macht schon ganz früh im Film klar, wie sich auch die Regeln auflösen werden, die Stabilität, der Zusammenhalt.

Regisseur Thomas Arslan hat große Western-Motive aufgegriffen für seinen Film „Gold“, den einzigen deutschen Wettbewerbsbeitrag bei der Berlinale. Er erzählt von einem Treck, der sich 1898 aufmacht, tief in Kanadas Norden, um Gold zu suchen. Sieben deutsche Auswanderer in unterschiedlichen Zuständen der Verzweiflung oder Bindungslosigkeit.

Thomas Arslans Filmteam ist wie ein moderner Treck selbst in die Wildnis aufgebrochen und hat chronologisch gedreht - die Erschöpfung, die der Film zeigt, ist also bei den Schauspielern (etwa Marko Mandic, Uwe Bohm, Peter Kurth und Lars Rudolph) nicht nur gespielt.

Mit einer klassischen Stationendramaturgie erzählt „Gold“ von den Strapazen der Reise und davon, wie sich durch Unglücksfälle, Gier und Wahn der Treck dezimiert. Das ist stellenweise etwas zäh, ergibt aber ein stimmiges Ganzes. Die Natur bekommt gebührenden Raum - schwindelerregend schöne Flusstäler und Höhenzüge unter gleißendem Licht wechseln mit einem unheimlichen, übermächtigen Wald. „Der Wald frisst Pferde“, sagt ein Indianer, den die Gruppe auf dem Weg trifft. Immer wieder stehen die Bäume so unpassierbar eng, dass sie dem Auge jede Orientierung verweigern.

Wie es sich für einen Film dieser Thematik gehört, bearbeitet Arslan zwischen Pferdesatteln und Lagerfeuer, Flussdurchquerung und Saloonbesuch zentrale gesellschaftliche Themen wie unter der Lupe: Wenn sich eine Gruppe zusammentut, welche Regeln sollen gelten? Wie geht man mit dem schwächsten Glied um? Soll man den Verwundeten mitschleifen und das Fortkommen des Trecks riskieren?

Nina Hoss gestaltet die Rolle der ebenso unnahbaren wie geradlinigen Emily, die sich als Frau in der Gruppe erst ihren Platz schaffen muss, mit bewährter Kraft und Präsenz. Per Eisenbahn, ihr Reiseköfferchen umklammernd, war sie still in den Film getreten, am Ende prescht sie auf ihrem Pferd stolz, mit dem Gewehr in der Hand, in eine Zukunft, die gewiss golden ist. (fra)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.