Berlinale: Wie Serienproduzenten Finanziers finden

Diese Serienprojekte sind nicht mehr in der Entwicklung, sondern schon einen Schritt weiter und werden als fertige Produkte auf der Berlinale vorgestellt: „Better Call Saul“, Staffel 2 (oben, ab Mitte Februar auf Netflix) und „Love, Nina“ über eine Nanny im London der 80er-Jahre mit (von links) Ethan Rouse, Helena Bonham Carter, Faye Marsay und Harry Webster. Fotos: Berlinale

Auf der Berlinale geht es längst nicht mehr nur um Kinofilme. Auch die Macher von Fernsehserien treffen sich derzeit in der Hauptstadt. Hier finden Produzenten Geldgeber.

Berlin. Immer neugieriger späht die Filmwelt auf die Welt der TV-Serien. Regisseure wechseln zwischen dem 90-minütigen Stoff für die große Leinwand und epischen Erzählformaten für TV oder Stream, Produktionsfirmen nehmen sich serielle Projekte vor. Die Berlinale trägt dem Megatrend Rechnung. Das Festival stellt hochwertige Serien vor. Und, ebenso wichtig, auf dem Branchentreffen Berlinale Co-Production Market wird eine Präsentationsplattform für internationale Serienstoffe eingerichtet: „CoPro Series“. Geldgeber, Einkäufer und TV-Sender können dort Beteiligungen an vielversprechenden Stoffen finden.

Wie funktioniert der Berlinale Co-Production Market?

Martina Bleis: 500 geladene Fachleute nutzen ihn als Businessplattform. Vor allem werden Spielfilmprojekte vermittelt, deren Produzenten hier Finanziers und Koproduzenten aus anderen Ländern treffen. Das ist wie eine passgenaue Ehevermittlung für die Filmbranche. Wir organisieren 1000 Termine in zwei Tagen. Am dritten Tag werden einerseits Rechte für Literaturverfilmungen angeboten, und wir haben nun auch Raum für anspruchsvolle Serien.

Sie haben sieben Serien ausgewählt. Wie kam es dazu, das Genre mit aufzunehmen?

Bleis: Wir sehen, wie viele Überschneidungen es gibt. Es gibt Arthouse-Regisseure und Produzenten, die jetzt Serien machen, es gibt Investoren, die damit liebäugeln, in diesen Bereich einzusteigen, der auf ein wahnsinniges Markt- und Publikumsinteresse stößt. Daher organisieren wir jetzt gemeinsam mit dem European Film Market und Berlinale Talents die Initiative „Drama Series Days“ mit verschiedenen Veranstaltungen zu hochwertigen TV-Serien. Dazu gehört auch „CoPro Series“.

Was für Projekte werden bei „CoPro Series“ vorgestellt?

Bleis: Zum Beispiel „Brotherhood“ von der norwegischen Firma Friland, die vom Spielfilm kommt und jetzt in den Serienmarkt einsteigen will. Oder „Wars Inc.“ von der Firma Drama Team aus Israel, die im Seriengeschäft seit Jahren erfolgreich ist. Oder „Das Verschwinden“ vom deutschen Regisseur Hans-Christian Schmid. Wir finden es spannend, wenn ein mehrfacher Wettbewerbs-Teilnehmer der Berlinale eine Serie plant.

Wiebke Esser: Der Serienmarkt differenziert sich gerade stark aus. Themen und Genres verändern sich, Macher probieren mehr Bereiche aus, nicht mehr vorrangig Crime. Es werden auch vermeintlich leichte Themen bearbeitet wie Familie, Alltag, Eskapismus. Und es wird mit Formaten experimentiert: Man produziert nicht unbedingt lange Staffeln, sondern auch Vierteiler, Miniserien, Anthologien.

Wie können Produzenten von Ihrem Angebot profitieren?

Bleis: In vielen Herstellerländern ist der eigene Markt nicht groß genug, da kann sich ein teureres Projekt nicht amortisieren. Man muss also ausloten, ob sich auch in einem anderen Land Publikum dafür findet, sucht Sender, sucht einen Weltvertrieb.

Nehmen denn Koproduktionen im Serienbereich zu?

Bleis: Es gibt ein gestiegenes Interesse daran, weil Serien derzeit so erfolgreich sind. Im Film funktionieren Koproduktionen schon seit Langem, sodass man jetzt verstärkt schaut, wie das Modell auch in den Serienbereich übertragbar ist.

Was suchen die Produzenten neben Geldgebern?

Bleis: Wenn das Projekt noch in einem frühen Entwicklungsstadium ist, geht es auch ums kreative Mitgestalten des Drehbuchs. Oder ein Teil der Serie spielt in einem anderen Land - dann wird ein Partner gesucht, der vor Ort beim Dreh hilft und etwa Kameraleute stellt.

Wie kompatibel sind Serien auf dem Weltmarkt?

Bleis: Das ist natürlich sehr unterschiedlich. Eine Vorstellung auf einem Markt dient auch dazu zu prüfen, ob ein Stoff und die Figuren in einem anderen Land verständlich sind. Finanziers und Koproduzenten sind dafür sozusagen ein erstes Testpublikum.

Esser: Am Erfolg der vielen skandinavischen Produktionen sieht man, dass Serien, die lokal geprägt sind, durchaus gut funktionieren.

Von Bettina Fraschke

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