Berlinale-Unterhaltung mit Schwächen: „Hail, Caesar!"

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Er regelt für sein Filmstudio einfach alles: Josh Brolin als Eddie Mannix in „Hail, Caesar!“.

Die Hollywood-Satire „Hail, Caesar!" von den Coen-Brüdern bot zur Berlinale-Eröffnung großartige Unterhaltung mit vielen Stars, die Dramaturgie schwächelte aber.

Berlin. Hier wird gerade die diesjährige Ration an Träumen produziert, sagt die Erzählerstimme beim schwelgerischen Kameraschwenk über die Filmstudios in der Hollywood-Satire „Hail, Caesar!“. Und dass Film zumindest unter anderem auch diese Funktion übernehmen kann, beweist die Berlinale trotz ihres allumfassenden Polit- und Weltabbilde-Anspruchs in dieser Saison ganz besonders.

Es ist in mehrfacher Hinsicht ein genialer Schachzug, das Festival mit der Komödie der Brüder Ethan und Joel Coen zu eröffnen. Nicht nur, weil Stars wie George Clooney, Tilda Swinton und Josh Brolin für Glamour sorgen. Sondern auch, weil der Film flirrende Wechselwirkungen mit der Gegenwart heraufbeschwört. Er spielt 1951, als man in Hollywood vor dem Fernsehen als aufkommendes Massenmedium zitterte – wie jetzt vor Smart-TV und Streaming. Wollen wir unsere Ration Kinoträume noch? Welche Rolle spielt Film heute?

Im Zentrum steht Eddie Mannix (Josh Brolin mit großer Lakonie und viel klassischer Hollywood-Ausstrahlung) als Problemlöser, der die Stars aus Ungemach und Stress mit der Klatschpresse heraushaut. Tag und Nacht ist er im Einsatz, uneheliche Kinder und unsittliche Fotos zu vertuschen und dem Studioboss ein Gefühl von Reibungslosigkeit zu vermitteln. Ihm folgt man von Hindernis zu Hindernis. Loses Handlungsgerüst ist die Entführung von Baird Whitlock, dem Star eines Sandalenfilms, den George Clooney in kniehohen Römersandalen mit unerreicht-souveräner Dämlichkeit spielt.

Die Schwäche von „Hail, Caesar!“ liegt darin, dass der Film keine stringente übergreifende Konfliktdramaturgie oder Personenentwicklung vorgesehen hat, sondern bei einzelnen Stationen bleibt. Mannix hat mal am Set eines Wasserballetts mit Scarlett Johannson als tougher Nixe etwas zu erledigen, dann geht es um den liebenswert-stumpfen Star eines Western (Alden Ehrenreich), der seine Lassotricks auch beim Rendezvous mit einer Frau vorführt.

Es geht um eine Musikrevue mit einem stepptanzenden Matrosen (Channing Tatum) und um den pinseligen Regisseur eines theatralen Dramas (Ralph Fiennes). In vielen dieser Einzelsequenzen ist „Hail, Caesar!“ großartig anzuschauen. Denn der Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik begeistert. Die Coens erweisen den großen Zeiten Hollywoods ihre Reverenz, zelebrieren in liebevoll nachgebautem Bombast den unfassbaren Aufwand der Illusionsmaschinerie.

Und wenn die Erzählerstimme aus dem Sandalenfilm plötzlich genau so salbadernd die Wege Eddie Mannix’ allwissend kommentiert, dann verschwimmt aufs Angenehmste die Abgrenzung zwischen einer Satire auf die Vergangenheit und dem Lustigmachen über das eigene Tun.

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