Berlinale: Werner Herzogs Orientepos

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Leidenschaftliche Anziehung: Gertrude (Nicole Kidman) und Henry (James Franco).

Sehnsucht nach Weite: Die deutsche Regielegende Werner Herzog präsentierte auf der Berlinale das Orientepos „Queen of the Desert“ mit Nicole Kidman.

Freiheit und Würde. Als Historikerin Gertrude Bell um 1915 ihre Wüstenexpeditionen unternahm, waren es diese herausragenden Charaktereigenschaften der Beduinen, die sie anzogen. Über Jahre wanderte sie immer tiefer in die Wüste hinein, verhandelte furchtlos mit Emiren und Scheichs, speiste Ziegenkopf, ja, parlierte sogar über Poesie.

Werner Herzog porträtiert in seinem Orientepos „Queen of the Desert“ eine außergewöhnliche Frauengestalt aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, als im Nahen Osten das Osmanische Reich zerfiel und die Kolonialherren am Landkartentisch das Terrain nach ihren strategischen Interessen und ungeachtet der Einflussgebiete der tatsächlichen Bewohner neu aufteilten. Mit den bekannten Folgen.

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HNA-Redakteurin Bettina Fraschke war bei der Berlinale live dabei

Als Diplomatin erreichte Bell mehr als jede Waffengewalt. Indem sie – so zeigt es der Film – auf Respekt, auf beste Sprachkenntnisse und eine Begegnung auf Augenhöhe setzte. Sie ist also eine beeindruckende Persönlichkeit, die Nicole Kidman überzeugend spielt – vielleicht mit der Einschränkung, dass man der 47-Jährigen die Jugendlichkeit der ersten Szenen daheim zu Füßen ihres Papas in England nicht ganz abnimmt.

Gertrude wird von der tragischen Liebe zu zwei Männern getrieben – Henry (recht stereotyp: James Franco) und Robert (leidenschaftlich: Damien Lewis). Doch die gesellschaftlichen Konventionen lassen kein dauerhaftes Glück zu. Hier hat der Film Schwächen, droht, unglaubwürdig zu werden, und kippt ins Melodram, ins Schmonzettige, ab.

Doch Gertrudes andere Sehnsucht, die sie mindestens so stark antreibt, ist die Liebe zur Wüste. Regielegende Herzog betonte bei der Filmvorstellung, die Wüste sei zugleich Gertrudes innere Landschaft: Der Film wolle die Natur so zeigen, dass spürbar wird, wie sie Gertrudes Leben geprägt und verändert hat. Das wird in den berauschenden Bildern von weiten Horizonten, Sanddünen, dem unvergleichlichen Licht, der Oberflächentextur von Beduinenzelten, Lehmfestungen, Teppichen und dem Fell der Dromedare sichtbar.

Diese wundervollen Bilder sind es, die den Film im Kopf verankern. So liegt einmal in einer winzigen Oase eine Frau in einer Faltbadewanne, genießt das kostbare Wasser und das weiche Abendlicht.

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