Berlinale-Wettbewerb: Bewegender Film „24 Wochen“

Nachdenklich: Julia Jentsch als Astrid und Bjarne Mädel als Markus in „24 Wochen“. Foto: Berlinale

Im deutschen Wettbewerbsbeitrag bei der Berlinale "24 Wochen" von Anne Zohra Berrached geht es um eine Spätabtreibung. Bei der Pressevorführung gab es Tränen.

Berlin. Ein Kinosaal voller weinender Journalisten: Das sieht ein Filmfestival extrem selten. Bei der Vorstellung des Wettbewerbsfilms „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached auf der Berlinale am Wochenende über eine Spätabtreibung fiel es schwer, die Beherrschung zu wahren. Spätestens als die Hebamme der Schwangeren erklärt, wie wichtig es ist, das entbundene, nun tote Baby einmal auf den Bauch zu legen, um sich von ihm zu verabschieden, ist überall Schluchzen zu hören.

Berrached ist ein extrem bewegender Film gelungen. Sie wirft einen mutigen Blick auf ein oft tabuisiertes Thema: 90 Prozent der Frauen entscheiden sich für eine Abtreibung im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft, wenn ihr Kind Missbildungen oder Behinderungen hat, wird im Film erklärt. Die Regisseurin porträtiert – im streckenweise etwas didaktischen Modus – im einzigen deutschen Wettbewerbsbeitrag ein Paar in diesem Entscheidungsprozess. Und dann auch bei der Ausführung ihrer Entscheidung.

Astrid (Julia Jentsch) ist Comedian und für ihre große Klappe bekannt. Ihr Partner Markus (Bjarne Mädel) ist ihr Manager. Astrid tritt noch mit kugelrundem Bauch auf und macht auf der Bühne Sprüche über ihren Zustand. Bis beim Ultraschall festgestellt wird, dass das Kind Downsyndrom hat. Das Paar entscheidet sich, das Kind zu bekommen. Man fühlt sich stark, auch wenn im Freundeskreis skeptische Stimmen laut werden. Bei einer weiteren Untersuchung wird dann aber ein schwerer Herzfehler festgestellt, und nun kommt Astrid doch ins Wanken. Lässt sich beraten, besucht eine Frühchenstation.

Wie allein eine Frau mit einer solchen Entscheidung ist, wie schwer es für den Partner ist, alles mitzutragen, aber es in letzter Konsequenz ihr überlassen zu müssen – das zeigen Julia Jentsch und Bjarne Mädel in intensiven, dichten Szenen. Sie ringen als Paar nicht nur um das Kind, sondern auch um ihr Miteinander.

Sämtliches Fachpersonal wird nicht von Schauspielern, sondern von den Experten selbst verkörpert: Ärzte, Hebamme, Beraterin. Der Film erweist so auch diesen starken, Halt gebenden Berufsgruppen Respekt.

Und er nivelliert nichts, er lässt den unendlichen Schmerz und die Traurigkeit einfach da sein.

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