Branchenthemen werden auf dem Festival sichtbar

Berlinale-Zwischenbilanz: Filmwelt im Umbruch

Deutscher Film aus Südafrika: Die Schauspieler Rayna Campbell (links) und Rapule Hendricks im Film „Layla Fourie“. Fotos:  dpa/Berlinale

Berlin. Die Berliner Filmfestspiele gehen in ihre zweite Hälfte. Eine Zwischenbilanz zu wichtigen Themen des Festivals und der Filmbranche.

Finanzierung international

Aus welchem Land kommt ein Film? Auf der Berlinale gibt es diese Diskussion besonders beim Autounfall-Drama „Layla Fourie“. Sie zeigt exemplarisch die Entwicklung der Filmwirtschaft. Regisseurin Pia Marais wuchs in Südafrika und Schweden auf, lebt in Berlin. Gedreht wurde in Johannesburg. Ist das ein deutscher Film? Nein, heißt es vielfach. Doch dagegen wehren sich die Produzenten. Die Kölner Pandora Film betont, der Mammutanteil des 2,5-Mio.-Euro-Budgets käme aus Deutschland: von ihr und öffentlichen Geldgebern. Film entsteht und finanziert sich immer globaler. Bei der Länderzuordnung wird ein Umdenken erforderlich, die Drehorte sind dabei unwichtiger.

Digitale Umstellung

Zelluloidrollen werden auf der Berlinale fast gar nicht mehr geschleppt und in Projektoren der fast 50 Festivalkinos eingelegt. Die Berlinale ist digital. 90 Prozent der Filme werden auf Festplatten angeliefert, ihre Vorführung per Computer gesteuert. Das spiegelt den Trend in den Kinos in Deutschland, die zum großen Teil umgestellt haben. Auf die Filmwelt hat das Auswirkungen, nicht nur, weil sich der Beruf des Filmvorführers komplett gewandelt hat. Filmemachen wird billiger, wenn die aufwendig zu produzierenden 35-mm-Kopien wegfallen, das ermöglicht mehr Menschen, ihre Projekte anzugehen. Die Autorenfilmerszene kann wachsen, etwa in den osteuropäischen Ländern, die nicht zufällig dieses Jahr in Berlin stark vertreten sind.

Online-Verknüpfung

Simon Klose setzt ein Zeichen. Der Filmemacher präsentiert einen Dokumentarfilm auf der Berlinale, den er zeitgleich mit der Premiere frei ins Internet stellt. „TPB AFK - The Pirate Bay Away From Keyboard“ porträtiert Macher der Filesharing-Plattform Pirate Bay beim Gerichtsprozess. Deren Website ermöglichte den illegalen Download von Filmen per Vermittlung zwischen Anbietern und Nachfragern. Vorwurf: Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung. In der Tat gibt es eine rechtliche Grauzone bei Webseiten dieser Art. Die Berlinale greift mit dieser Filmpräsentation das Problem auf, das der Filmbranche Millionenverluste beschert. Der Regisseur plädiert für ein offenes Internet mit neuen, legalen Streamingmöglichkeiten.

Weniger Weltpremieren

Die Bedeutung eines Filmfestivals misst sich auch an der Zahl der echten Premieren. Daran, dass die großen Regisseure sich entscheiden, ihre Filme genau dort der Welt zu präsentieren. Das Festival als erste Begegnung mit einem neuen Kunstwerk. Hier schwächelt die Berlinale seit Jahren, auch 2013. Der Eröffnungsfilm „The Grandmaster“ läuft schon seit Wochen in den chinesischen Kinos, Matt Damons „Promised Land“ seit Dezember in den USA. Nur 17 der 24 Wettbewerbsfilme sind Weltpremieren. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, droht dem Festival ein Verlust an Relevanz.

Dokumentarischer Look

Ein handwerklicher Trend, der sich in vielen Festivalfilmen dieses Jahr findet, ist die dokumentarische Anmutung. Extrem subjektive Handkameraführung, manchmal fast zu wackelig, und fast uninszeniert wirkende Szenerien: Das Festival rückt mit seinen Geschichten hautnah dran.

Von Bettina Fraschke

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