Mark-Christian von Busse über den Tatort

Berliner „Tatort“: Gespür für Unglück

Wie gut kennt man die Menschen, mit denen man täglich zu tun hat, denen man sich nahe fühlt? Davon handelte der ausgezeichnete Berliner „Tatort“, den von Beginn an eine besondere Atmosphäre der Melancholie prägte, den ein feines Gespür für Einsamkeit und Unglück durchzog.

Beate Langmaack (Buch) und Christine Hartmann (Regie) kontrastierten im Fall mit dem sperrigen Titel „Die Unmöglichkeit, sich den Tod vorzustellen“ zwei grundverschiedene Milieus, in denen Menschen Rätsel aufgaben: Hier der eigensinnige, selbstbezogene Künstler Hanns Helge, der einen grell-überdrehten Kunstmarkt bedient, verkörpert von Max von Thun; dort der Onkel von Kommissar Till Ritter (Dominic Raacke): Kassierer im Hundeverein, der in der Kneipe „Alt Berlin“ Skat spielt.

Ritter und Felix Stark (Boris Aljinovic) bildeten ein Duo nach dem Muster „böser Bulle, guter Bulle“: Ritter tief getroffen vom Suizid des Onkels in einem schäbigen Hinterhof, unzugänglich, unwirsch; Stark flirtfreudig mit Galeristin Oona von Wilm (Karoline Eichhorn) - auch sie im Tiefsten einsam im schicken, profitgierigen und oberflächlichen Kunstzirkus.

Überhaupt bestachen die Momente der Fremdheit: Das Befremden der Mutter des Künstlers (Monika Lennertz), der selbst seinen richtigen Namen verleugnete, in der Künstlichkeit seiner leeren Welt. Und Ritter, wie er im Nachlass des Onkels stöberte und mit zu viel Rumtopf trauerte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.