Bernhard Brink: "Schlager ist noch nicht tot"

Bernhard Brink ist in der goldenen Zeit des Schlagers groß geworden. Nun hat sich der Sänger vom Grafen einen Hit schreiben lassen - und rechnet mit den ARD-Verantwortlichen ab.

Am 31. Dezember hat Bernhard Brink ganz beiläufig Fernsehgeschichte geschrieben. Kurz vor Mitternacht sang der Schlagerstar im ARD-„Silvesterstadl“ seinen Hit „Loop di Love“. Danach wurde zum Feuerwerk am Brandenburger Tor geschaltet, die Show war aus, für immer. Brinks Auftritt war der letzte in der 34 Jahre langen Geschichte des TV-Klassikers „Musikantenstadl“, den die Sender kurz danach beerdigten - nicht wegen Brink, sondern wegen der Quote.

Der Sänger lässt sich davon nicht unterkriegen. Während es Schlagermusik bei den Öffentlich-Rechtlichen immer schwerer hat, meldet sich der 63-Jährige zurück. Beim MDR moderiert der Berliner künftig fünfmal im Jahr „die größten Schlagerhits aller Zeiten“. Und mit „Von hier bis zur Unendlichkeit“, das ihm der Graf von Unheilig geschrieben hat, führt er seit fünf Wochen die Radio-Charts an. Wir haben mit ihm bei einem Besuch in Kassel gesprochen.

Der Schlagersänger

Für seine Plattenfirma ist er „einer der Protagonisten des popkulturellen Kosmos der Bonner Republik“. Brink ist in der goldenen Zeit des Schlagers groß geworden. Als er 1972 zum ersten Mal in der ZDF-„Hitparade“ auftrat, bekam er 30 000 Briefe. Vier Jahre später war er mit „Liebe auf Zeit“ 25 Wochen in den Charts. Heute kritisiert er gut bezahlte Redakteure im WDR und im BR, die den Schlager aus ihren Hörfunkwellen verbannen. Brink sagt: „Ich würde heute nicht noch mal von vorn anfangen wollen.“

Als er seiner Bankberaterin zuletzt sein Album schenkte, sagte sie: „Danke, jetzt habe ich auch das Cover.“ Eine Freundin hatte ihr und vier weiteren Bekannten die CD längst gebrannt. Brink kann darum einerseits verstehen, wenn sein Kollege Howard Carpendale sagt: „Der Schlager ist tot.“ Ist er dann aber doch nicht, findet Brink: „Es gibt ja nicht nur Helene Fischer, sondern auch die Amigos und neue Acts wie Fantasy.“

Das neue Album

Wie Schlager heute klingen kann, zeigt er gemeinsam mit dem Grafen von Unheilig, der ihm das neue Lied „Von hier bis zur Unendlichkeit“ geschrieben hat. Brink singt hier einen weich gespülten Unheilig-Hit. Beide hatten sich auf einem Konzert des Aachener Pop-Stars in der Berliner Wuhlheide kennengelernt. Der Rest des Albums besteht größtenteils aus alten Songs. Brink singt von „Liebe pur“ und der heilen Welt, aber nicht nur.

Ein Stück wie „Lieder an die Liebe“, in dem es auch um „Hass und Parolen“ an den Wänden geht, könne man auch auf die rechte Pegida-Bewegung münzen. Brink sagt, er sei nicht „blond, blauäugig und blöd“, wie ihn früher manche Kritiker genannt haben.

Der Buchautor

Auf der Leipziger Buchmesse stellt Brink mit der Autorin Eva-Maria Popp ein Buch über Alzheimer vor. Darin beschreibt der Musiker, wie sein Vater, ein Architekt aus Nordhorn, dement wurde und nach langer Krankheit 1990 starb. Das Buch soll „Von hier bis zur Unendlichkeit“ heißen - wie sein neuester Hit.

Zu Ende ist Brinks Karriere noch nicht. Schon zweimal rief RTL bei ihm an, um ihn ins Dschungelcamp zu holen. Der schlagfertige Brink würde dort sicher eine bessere Figur abgeben als zuletzt sein Kollege Gunter Gabriel, aber er hat abgesagt: „Anders als andere kann ich meine Rechnungen bezahlen.“

Zur Person

Geboren: am 17. Mai 1952 in Nordhorn

Ausbildung: Jurastudium (nach 16 Semestern ohne Abschluss exmatrikuliert)

Karriere: Als Sänger wurde Brink vor allem mit Versionen englischsprachiger Titel bekannt. Seit den 90ern moderierte er Musiksendungen im TV. 2014 nahm er an der RTL-Show „Let’s Dance“ teil.

Privates: Lebt mit seiner Frau in Berlin. Hält sich mit Tennis fit.

Das Album: „Unendlich“ erscheint an diesem Freitag bei Ariola.

Rubriklistenbild: © dpa

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