Neu im Kino: Actionregisseur Luc Besson erzählt in „The Lady“ die Geschichte von Aung San Suu Kyi

Bescheiden und würdevoll

Stets Blumen im Haar: Michelle Yeoh als Aung San Suu Kyi. Foto:  dpa

Mahatma Gandhi, Martin Luther King - es gibt nur wenige Verfechter des gewaltfreien Widerstandes, die zu historischen Symbolfiguren geworden sind. In diesem Jahrhundert könnte dies die burmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi sein, die seit 1988 gegen das dortige Militärregime kämpft, fünfzehn Jahre unter Hausarrest stand, seit dessen Aufhebung im November 2010 mit den Machthabern in Verhandlung um einen demokratischen Umbau steht und gerade einen fulminanten Wahlsieg errungen hat.

In Luc Bessons filmischem Porträt der burmesischen Oppositionsführerin „The Lady“ spielt Michelle Yeoh die Tochter des ermordeten Unabhängigkeitskämpfers Aung San, die nach dem Exil in Indien und dem Studium in Oxford den englischen Tibetologen Michael Aris (David Thewlis) heiratet. Erst 1988 kehrt sie, als ihre Mutter schwer erkrankt, aus England nach Burma zurück. Dort sind gerade die Aufstände gegen die Militärdiktatur in vollem Gange.

Nur kurz lenken die Machthaber in Rangun ein und rufen freie Wahlen aus. Die Oppositionsbewegung kann die Tochter des berühmten Unabhängigkeitskämpfers als Kandidatin gewinnen und Aung San Suu Kyi geht siegreich aus der Wahl hervor. Aber die Militärjunta erkennt das Ergebnis nicht an und stellt Suu Kyi unter Hausarrest, während ihr Mann und die Söhne mit Einreiseverbot belegt werden.

Besson hält den emotionalen Fokus auf die gewaltsam getrennte Familie und zeigt die enorme Willenskraft der Heldin, die ihr privates Glück für politische Ideale opfert.

Michelle Yeoh spielt die demokratische Kämpferin voller Kraft und Würde ganz ohne pathetische Posen. Demgegenüber steht leider der wenig sensible Regiestil Luc Bessons, der emotional immer in die Vollen geht und sich in jeder Massenszene am eigenen inszenatorischen Vermögen berauscht. Das Missverhältnis zwischen der Bescheidenheit der Figur und der aufgeplusterten Inszenierung zehrt an der emotionalen Wahrhaftigkeit der Geschichte, die ohne plumpe Verstärkereffekte ihre Wirkung weitaus besser entfalten könnte.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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