„Von Beckmann bis Warhol“: Der Bayer-Konzern präsentiert in Berlin seine Kunstsammlung

Besondere Bilder fürs Büro

In der Chefetage: Karl Schmidt-Rottluffs „Stillleben mit Glockenblume vor Maske“ (um 1943).

Berlin. Ob Kunst die Leistung steigert? Arbeiten Menschen, die im Büro auf eine friesische Landschaft Emil Noldes blicken oder auf eine Farborgie Ernst Wilhelm Nays, effizienter? Zumindest dürften sie sich wohler fühlen als in kahlem Gemäuer. Der Gang in die firmeneigene Artothek lässt die Mitarbeiter des Pharma- und Chemie-Konzerns Bayer ihre Umgebung gestalten. Etwa mit dem Werk eines Newcomers. Schöne Idee und ein Stückchen Selbstbestimmung.

Deutschlands wohl älteste Firmensammlung existiert bereits seit mehr als 100 Jahren. Anlässlich ihres 150-jährigen Jubiläums präsentiert die Bayer AG erstmals ihren Wandschmuck außerhalb der Konferenzsäle und Büros. Im Berliner Martin-Gropius-Bau geben rund 240 Werke Einblick in die ebenso kunterbunte wie riesige Sammlung. „Von Beckmann bis Warhol“ umfasst vor allem Kunst des 20. Jahrhunderts, aber auch jüngere Arbeiten. Eine einsame Renaissance-Plastik Giambolognas bildet die Ausnahme von der Regel.

Daheim in der Zentrale hängen die bedeutendsten Werke „aus konservatorischen, repräsentativen und versicherungstechnischen Gründen“, wie es heißt, in den Vorstandsetagen. So ein „Stillleben mit Glockenblume vor Maske“ von Karl Schmidt-Rottluff ist eben für Auserwählte. Aber grundsätzlich sind alle Angestellten dazu eingeladen, ihre Büros auszustatten. Die Arthotek ist Sammelbecken auch für frisch erworbenen Nachschub von Kunsthochschulabsolventen aus Kassel, Münster oder Halle.

Geprägt wurde die Kollektion durch Vorlieben einzelner Personen. So erklärt sich die Heterogenität, aus der Kuratorin Andrea Peters eine chronologische Auswahl traf.

Gesammelt wurde nicht zu allen Zeiten. Während des Dritten Reiches gab es keine Ankäufe. Umso mehr schlug man nach dem Ende des Krieges zu. Nicht alle Namen sind berühmt, aber doch viele. Gekauft wurde in Galerien oder bei den Künstlern direkt - wenig international. Erst 1986, als die Bayer USA Inc. gegründet wurde, sammelten auch die Manager in Pittsburgh, was ihnen gefiel. Sie bevorzugten nicht nur US-Künstler, sondern die deutschen „Bad Boys“: Werner Büttner, Albert Oehlen und Martin Kippenberger. 2005 ging die Collection of Contemporary Art USA im Leverkusener Hausbestand auf.

Der wuchs in den 80ern auch durch Arbeitsstipendien, die die Firma vergab, und ein „Artist in Residence“-Programm. Vor Ort experimentierten die Künstler mit Bayer-Werkstoffen. Einzelne Ergebnisse lassen sich betrachten. Die Schau ist ein Ausschnitt, der Kunst- und Konzerngeschichte spiegelt. Da kann man sich laben am „Orchideenstillleben mit grüner Schale“ von Max Beckmann oder an Gerhard Richters „Abstract Painting (555)“. Unter dem Hammer würden sie hübsche Summen erzielen. Foto: Museum/nh

Bis 9. Juni, Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Mi-Mo 10-19 Uhr. www.berlinerfestspiele.de

Von Andrea Hilgenstock

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