Simon Krätz betreibt seit Kurzem eine Galerie in Kassel - Druckgrafik nach 1945

Wo das Besondere zählt

Frisch im Geschäft: Simon Krätz will seine Galerie in Kassel etablieren. Im Hintergrund ist Andy Warhols Arbeit „Electric Chair“ (1971) zu sehen. Fotos: De Filippo

Kassel. Die Lebenswege mancher Menschen scheinen vorgezeichnet. Auch der von Simon Krätz. Sein Vater Helmut Anton Krätz war ein leidenschaftlicher Kunstsammler, besaß unter anderem Arbeiten von Georg Baselitz, Sigmar Polke und Gerhard Richter. „Seit ich denken kann, hatte ich mit Kunst zu tun“, erzählt Simon Krätz. Deshalb studierte er Kunstgeschichte - und betreibt seit Kurzem eine Galerie in Kassel.

Bedeutende Druckgrafik nach 1945: Auf dieses Gebiet hat sich Krätz spezialisiert. In den Räumen an der Sophienstraße präsentiert er bewusst nur eine kleine Auswahl des Galeriebestands, Pop Art und Minimal Art. Denn von vollen Wänden hält der Galerist, der in Dreieich bei Frankfurt aufwuchs, nichts. Und so hängen Arbeiten von Andy Warhol und Robert Rauschenberg in ausreichendem Abstand zueinander. Jedes der Werke hat genug Raum.

Krätz ist immer auf der Suche nach etwas Besonderem, nach Kunst mit einer Aussage. Erst kürzlich kaufte er in den USA einen Siebdruck Richard Hamiltons aus dem Jahr 1971, der sich mit dem blutigen Ende eines Studentenprotests an der Kent University auseinandersetzt.

Etwas Besonderes sind auch die acht Linolschnitte des amerikanischen Künstlers Fred Sandback (1943-2003), die Krätz noch bis zum 31. Juli in einer kleinen Kabinettausstellung zeigt und die aus der Sammlung seines Vaters stammen. Sandback, der einst durch minimalistische Skulpturen aus verspannten Wollfäden berühmt wurde, druckte die Arbeiten 1975 auf Japanpapier.

Die Motive sind auf wenige Striche reduziert. Sie wirken wie Fragmente dreidimensionaler, geometrischer Figuren. Helle Zeichen auf blauem und schwarzem Grund. Das Erstaunlichste der Arbeiten ist allerdings, dass Fred Sandback im Gegensatz zu seinen sonstigen Gewohnheiten alle Drucke mit Bleistift beschriftet hat. Unter jedem Motiv stehen Sätze in Schreibschrift. Persönliche Erklärungen für Arbeitsweise und Entstehung des Motivs. Galerie Krätz, Sophienstraße 34, dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Ausstellung Fred Sandback bis 31. Juli.

Von Pamela De Filippo

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