Die Indie-Elektroband Lali Puna machte Sportmuffel glücklich

Besser als Fußball

Ein wenig statisch: Große Gesten sind nicht gerade das Ding von Lali-Puna-Sängerin Valerie Trebeljahr. Foto: Fischer

Kassel. Die bayerische Band Lali Puna ist unsportlich. Das verriet schon der Sänger der Vorband „Mexican Elvis“, als er nach Marathonteilnehmern im Publikum fragte.

Doch trotz der mangelnden Begeisterung für körperliche Ertüchtigung kamen Lali Puna am Samstagabend nicht am Thema Sport vorbei. Denn dass die vier Musiker aus Weilheim bei München überhaupt in Kassel spielten, war den Fußballern von Werder Bremen zu verdanken. Am gleichen Abend fand das Finale des DFB-Pokals gegen Bayern München statt, deshalb wurde ein geplanter Auftritt in Bremen kurzerhand abgesagt.

Von den gut 100 Besuchern im Schlachthof schien jedoch niemand zu bereuen, dass er das Fußballereignis im fernen Berlin verpasste. Denn Lali Punas elektronischer Indie-Pop funktioniert live viel besser als gedacht. Stücke wie „Micronomic“, die sich auf Platte verträumt präsentieren, gewinnen auf der Bühne an Druck und werden zu energischer Tanzmusik.

Auch die komplexen Rhythmusmuster der Lieder treten live stärker in den Vordergrund. Während die Füße sich fast von allein bewegen, kann der Kopf während eines Lali- Puna-Konzertes noch immer die Detailverliebtheit der Stücke bewundern.

Band wirkte unterkühlt

Schwerer war es da schon, mit der Band selbst warm zu werden. Denn die Abneigung gegen Bewegung scheint sich bei Sängerin Valerie Trebeljahr und ihren Kollegen auch auf der Bühne fortzusetzen. Die Frontfrau mit südkoreanischen Wurzeln schien sich zeitweise regelrecht hinter ihrem mächtigen Keyboard zu verschanzen, ihre Ansagen kamen schüchtern, wenn überhaupt. „Ach so, das ist unser letzter Song“, sagte sie, als die Band das finale Stück längst angestimmt hatte.

Die fehlende Regung, die man auch Gelassenheit nennen könnte, wurde von der pulsierenden Musik mühelos ausgeglichen. Doch auch beim Singen schien Trebeljahr ab und zu verkrampft zu sein. Ihre Stimme, die sonst mühelos über dem dichten Klangteppich der Stücke schwebt, wirkte ein wenig blechern.

Trotzdem wurden die experimentellen Lieblinge der deutschen Indieszene vom Publikum gefeiert. Nach eineinhalb Stunden und zwei Zugaben war jeder Kasseler Zuschauer garantiert glücklicher als alle Bremer Fußballfans.

Von Saskia Trebing

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