Oliver Uschmann las beim Sommer im Park

Besser rebellieren

Oliver Uschmann Foto: Rehrmann

Vellmar. „Ich bin noch jung, aber die Welt irritiert mich schon“, scherzte Oliver Uschmann und erntete zustimmendes Gemurmel. Die gut 50 Zuschauer, die Sonntagmittag ins warme Piazza-Festzelt nach Vellmar gekommen waren, um dem Kabarettisten zu lauschen, waren im Schnitt deutlich älter als der selbst ernannte „Wort-Guru“, aber seine Themen sind generationsübergreifend.

Die Nöte des modernen Menschen behandelt Uschmann in Romanen, die er in geistreichen Episoden zusammengeflochten hat. Von der exhibitionistischen Manie des Internets mit seinen übersprudelnden sozialen Netzwerken über die Leiden praxisferner Intellektueller bis hin zum Ideal des perfekten, allseits aktiven Siegertypen, wie es uns aus der Fernsehwerbung entgegensäuselt, war für jeden etwas dabei.

Uschmanns tragischer Held ist Hartmut, Philosophiestudent aus Bochum, existenzieller Freigeist, Don Quichotte des Alltags. Er lebt in einer urigen Männer-WG, liest den halben Tag vornehmlich Marcuse und möchte die Welt verändern. So legt er mal eben die Strom- und Wasserversorgung lahm, um einsame Großstadtmenschen in ihrer Not enger zusammenzubringen. Oder er gründet ein Institut zur „Dequalifizierung überqualifizierter Akademiker“, in dem lebensfremden Theoretikern gezeigt wird, wie sie erfolgreich einen Smalltalk führen.

Überhaupt sollte der Mensch mehr Zeit vergeuden, Sinnloses tun und Erwartungen widerlegen. Sinnbild der Oden an die Unvollkommenheit ist eine Wortschöpfung: Der Murp. Murpen kann man, indem man einer Fassbinder-Runde seine „Traumschiff“-Leidenschaft eröffnet oder in der Redaktion des Musikmagazins „Metal Hammer“ Phil Collins hört: Rebellion ist eine Sache des Kontextes. Uschmanns Episoden sind kleine, verschmitzte Einsichten in das alltägliche, das exzentrische, das unglaubliche Leben.

Sommer im Park, jeweils 20 Uhr: heute: Pippo Pollina, morgen Baisch & Schiller. Karten: Tel. 0561/203204.

Von Carolina Rehrmann

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