Musikwissenschaftler Dr. Dietrich Berke starb im Alter von 72 Jahren

Dr. Dietrich Berke Foto: nh

Kassel/ Zierenberg. Als Dr. Dietrich Berke Anfang Juni im Eulensaal der Murhardschen Bibliothek den Festvortrag zur Eröffnung der Ausstellung „425 Jahre Heinrich Schütz“ hielt, würzte er seine Ausführungen über die Rolle, die Kassel im Leben des großen Komponisten spielte, mit dem für ihn typischen trockenen Humor.

Kaum einer der Anwesenden ahnte, dass es einer der letzten öffentlichen Auftritte Berkes sein würde. Am Samstag starb der Musikwissenschaftler und langjährige Cheflektor des Bärenreiter-Verlags im Alter von 72 Jahren an einer Krebserkrankung.

Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Franz Schubert und ganz besonders Wolfgang Amadeus Mozart - einige der bedeutendsten Komponisten begleiteten Berke in seinem Berufsleben. Ihnen widmete er seine Schaffenskraft und sorgte an verantwortlicher Stelle für den Erfolg der jeweiligen Gesamtausgaben, die zu den wichtigsten musikverlegerischen Projekten des 20. Jahrhunderts zählen. Die Begeisterung, mit der Berke über knifflige Fragen bei der Umsetzung schwieriger Notentexte sprach, sich über die Feinheiten der Interpretation schwer lesbarer Autografe äußerte, war ansteckend. Seine Leidenschaft für die Sache verpackte er in verschmitzten, freundlichen Humor.

Geboren in Castrop-Rauxel, studierte Berke Musikwissenschaft in Kiel und Würzburg und promovierte über spätmittelalterliche Messvertonungen. Von 1969 bis zu seiner Pensionierung 2002 war er zunächst Lektor, dann Cheflektor des Bärenreiter-Verlags.

1973 wurde er Mitglied der Editionsleitung der Neuen Mozart-Ausgabe, die 2007 vollendet wurde.

Sein letztes editorisches Projekt, schon im Ruhestand, war die 2009 abgeschlossene Herausgabe der sieben großen Mozart-Opern in hochwertigen Faksimile-Ausgaben, die der amerikanische Computer-Erbe und Mozart-Enthusiast David Packard durch seine großzügige Finanzierung ermöglicht hatte.

Ehrenamtlich war Berke Vorstandsvorsitzender der Landgraf-Moritz-Stiftung Kassel und Vorsitzender der Internationalen Schubert-Gesellschaft. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse geehrt.

Berke, der in Zierenberg lebte, hinterlässt eine Ehefrau und zwei erwachsene Söhne. Der Bärenreiter-Verlag würdigte ihn als prägende Persönlichkeit, die sich „unschätzbare Verdienste um Musikedition und Musikverlagswesen“ gemacht hat.

Von Werner Fritsch

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