Die besten Briten: Das Ukulele Orchestra of Great Britain

Gleich zwei britische Formationen haben derzeit mit der Ukulele und lustigen Interpretationen bekannter Songs Erfolg. Das Original aber ist das Ukulele Orchestra of Great Britain, das schon in der Carnegie Hall und beim Glastonbury Festival auftrat.

Am 19. November gastiert die achtköpfige Band in Vellmar. Wir sprachen mit dem musikalischen Direktor George Hinchliffe über die Ukulele und die Konkurrenz des Orchesters.

Glückwunsch, Mr. Hinchliffe, lange Zeit war die Ukulele nur die kleine Schwester der Gitarre. Nun nehmen sogar Stars wie Eddie Vedder von Pearl Jam ganze Alben mit ihr auf. Das ist auch das Verdienst des Ukulele Orchestra of Great Britain.

George Hinchliffe: Natürlich gab es Leute, die die Ukulele professionell gespielt haben, bevor wir auf die Idee kamen, berühmte Rock- und Popsongs auf unsere Art zu interpretieren, aber eben nicht annähernd so viele wie heute. Unsere Online-Videos haben über eine Million Klicks. Und der Ausdruck „Ukulele Orchestra“ als Bezeichnung für eine Gruppe von Ukulele-Spielern scheint heute die Norm zu sein. Als wir ihn vor 27 Jahren zuerst gebrauchten, schien das ziemlich ironisch, wie etwa „Der Sahara-Unterwasser-Club“ - ein Widerspruch in sich. Seit unserer Gründung 1985 haben wir vor Millionen von Menschen gespielt. So haben wir die Ukulele populär gemacht.

Aber Sie spielen ja nicht nur Songs nach. Wie wichtig ist der typisch britische Humor in Ihren Shows?

George Hinchliffe: Was wir zwischen den Songs so sagen, wurde mit der Zeit wichtiger. Aus der Tatsache, dass wir Briten sind, machen wir eigentlich bewusst nichts - wir sind es eben einfach. Das Publikum findet unseren Akzent und unseren Humor lustig, was uns freut. Ob wir typisch britisch sind, ist eine andere Frage. Michael Palin von Monty Python sagte einmal über uns, wir seien „The Best of British“.

Wenn Sie ein Stück wie „Wuthering Heights“ von Kate Bush covern, klingt das wie ein neuer Song - und trotzdem erkennt man das Original. Wie wählen Sie die Lieder aus?

George Hinchliffe: Im Prinzip kann jeder Song oder jedes Stück für uns funktionieren. Wir versuchen immer, dem Text treu zu bleiben, aber gleichzeitig zu betonen, dass das ursprüngliche Genre mit der Melodie und dem Text nicht unbedingt viel zu tun hat. Die begrenzte Klangbreite der Ukulele bringt die musikalische Bandbreite des Orchesters in den Vordergrund. Jeder spielt anders, jeder singt anders, und am Ende passt es zusammen.

Seit einigen Jahren gibt es auch das United Kingdom Ukulele Orchestra, das nichts mit Ihnen zu tun hat. Haben die Ihre Idee geklaut?

George Hinchliffe: Die Leute, die hinter der Gruppe stehen, sind ursprünglich auf uns zugekommen, um einen Ableger unserer „Marke“ zu machen. Wir haben das abgelehnt, weil wir nicht die Blue Man Group sind. Für uns sind die einzelnen Musiker von großer Bedeutung. Und dann haben sie eben ihre eigene Version gemacht. Stellen Sie sich vor, man würde die Rolling Stones vervielfältigen. Das Beste, das man so erreichen kann, ist eine andere Gruppe, die das Original imitiert. Hier ist es ähnlich, wenn auch auf niedrigerem Level. Wir fangen deswegen keinen Streit an. Wir haben das Ganze auch noch nicht vor Gericht gezerrt. Manche Leute sagen, dass es doch ein Kompliment ist, imitiert zu werden.

Peter Moss, der Gründer des United Kingdom Ukulele Orchestras, sagte unserer Zeitung, dass es Platz geben müsste für beide Gruppen. Sonst dürfte Eric Clapton auch keinen Blues mehr spielen, weil B.B. King das schon vor ihm gemacht hat.

George Hinchliffe: Die Situation ist sehr viel komplizierter. Wenn Eric Clapton Songs von B.B. King spielt, muss er dafür Lizenzgebühren zahlen. Peter Moss und die Agentur, die hinter dem anderen Ukulele Orchestra steht, haben auch eine Show, die sich „Das Phantom der Oper“ nennt. Es ist aber nicht das berühmte Musical. Das kann für Anwälte interessant sein, aber ich glaube, dass sich die Öffentlichkeit nicht dafür interessiert. Wichtiger ist die Musik. Nach Auftritten des United Kingdom Ukulele Orchestra schrieben Kritiker, dass es keine schlechte Show war, aber eben auch nicht wir.

19. November, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Vellmar-Frommershausen. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Die Band: Das Ukulele Orchestra of Great Britain wurde 1985 gegründet - ursprünglich nur für einen Auftritt. Heute hat die Gruppe acht Mitglieder. Der Kopf: George Hinchliffe (Mitte, links) ist musikalischer Direktor, lebt in London und verrät sein Alter nicht. Das Instrument: Die Ukulele wurde 1879 von einem Portugiesen nach Hawaii gebracht. Wegen der sich schnell bewegenden Finger nannten die Einwohner sie bald „hüpfender Floh“ („’ukulele“). Hierzulande gibt es seit 2005 den 1. Deutschen Ukulelenclub.

Von Matthias Lohr

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