Das Improvisationstheater ImproKS unterhielt im Theaterstübchen mit schrillem und absurdem Witz

Am besten war doch der Weltschmerz

Turbulentes Theater: ImproKS in Aktion. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Wolfgang Schäuble ist tot. Der Bundesfinanzminister wurde am Mittwochabend Opfer eines heimtückischen Attentats, als ihn ein, dem Dialekt nach aus Wien stammender Mann (Daniel Stieglitz), mit einer Gitarrensaite an einer Pommesbude erdrosselte.

Natürlich ist diese äußerst makabre Geschichte bloß Theater. Die Szene war Teil der Aufführung der Kasseler Improvisations-Theatergruppe „ImproKS“, die mit ihrer „Herbstshow“ im Theaterstübchen auftrat. Wem das zu weit geht, muss sich beim Publikum beschweren, das an diesem Abend unerkannt entkam.

Den fünf Darstellern reicht für ihre Arbeit nämlich ein szenisches Grundgerüst. Handlungsdetails, Spielort und Personal werden durch Zuruf von außen bestimmt. Haben sich alle auf einen ungefähren Ablauf geeinigt, läuft ein kurzer Countdown, die Szene wird freigegeben und wo sie endet, weiß kein Mensch. Eben singt man noch die Ode an den Gartenkürbis, einen Wimpernschlag später ist durch einen neuen Einfall alles auf den Kopf gestellt: Plötzlich ist man schwanger vom Papst, und 100 Gäste biegen sich vor Lachen.

Wo der Zensor des Bewusstseins Pause macht, gerät manches zotig. Aber es gelingt auch der feinere Witz: Eine breitbeinige Hella von Sinnen (Doris Grebestein) sitzt mit einem verhärmten Kritiker (Klaus Thölken) beim Plausch über ihren neuen Film „Der stürmische Bauer“ (erneut unser Einfall).

„Aber“, sagt das Männchen sinngemäß und formt mit den Fingern eine grazile Pyramide, „am besten gefiel mir doch die Darstellung des Weltschmerzes.“ „Ach was“, rotzt von Sinnen, „auf der Scholle gibt’s doch keinen Weltschmerz. Da gibt’s bloß Arbeit“. „Ach“, säuselt da der Kritiker, „jetzt sehe ich es auch!“

Erneut am 21.11. im Theaterstübchen. Karten: 0561-203 204.

Von Lennart Martens

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