Bestnote: Kabarettist Frank Lüdecke im Theaterstübchen

Frank Lüdecke

Kassel. Die wichtigste Auszeichnung, die Frank Lüdecke bekommen hat, war weder der Deutsche Kabarettpreis (2009) noch der Deutsche Kleinkunstpreis (2011), sondern der Satz, den ein Schüler einmal nach einer Veranstaltung zu ihm sagte. Lüdecke mache „Stand-up-Comedy mit Inhalt“, das gefalle ihm.

Genau das gefiel auch den 180 Zuschauern im restlos ausverkauften Kasseler Theaterstübchen. Der 51-jährige Berliner sieht aus wie der Zwillingsbruder von Frank Plasberg, und so wie Plasberg den Polit-Talk modernisiert hat mit „hart aber fair“, so befreit Lüdecke das Kabarett von seinem Mief.

Der studierte Germanist ist frei von intellektueller Oberlehrerhaftigkeit und behandelt die großen Themen mit Leichtigkeit. In seinem Programm „Die Kunst des Nehmens“ redet er über den Egoismus der Investmentbanker und kündigt dann an, ein Arbeiterkampflied zu singen, das in direkter Beziehung steht zu „Brecht, Eisler und Bata Illic“.

Er greift noch mehrmals zur Gitarre und gibt frei nach Charles Darwin, „dem ehemaligen Generalsekretär der FDP“, die Maxime aus, dass „man nehmen muss, was einem zwischen die Pfoten kommt“.

Neben den üblichen Verdächtigen wie dem „wandelnden Taschenrechner Steinbrück“ bekommen alle ihr Fett weg. Robin Hood etwa ist in England ein Mythos und in Deutschland eine Behörde: „Umverteilung muss von oben angeordnet werden. Sonst wäre sie eine Revolution, die nicht genehmigt wurde.“

Den Irrsinn des Bildungssystems erfuhr er, als seine Tochter mit einer 3+ in Ethik nach Hause kam, während alle anderen eine zwei hatten. Dabei war das Fach wegen Lehrermangels gar nicht unterrichtet worden. Weil Ethik jedoch vorgeschrieben ist, machte die Konferenz den Mittelwert aus Biologie und Geschichte zur Note. Lüdecke indes bekommt eine 1.

Von Matthias Lohr

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