Bestsellerautor: Dietrich Faber: „Ich mag die Freiheit der Provinz“

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Bislang war Dietrich Faber vor allem ein Teil des Kabarett-Duos Faberhaft Guth, mit seinem Kommissar Bröhmann ist der Gießener nun auch zum Bestseller-Autor geworden. Wochenlang stand der dritte Band „Tote Hunde beißen nicht“ auf der „Spiegel“-Bestsellerliste.

In dem Buch muss der Ermittler aus dem Vogelsberg, dessen Dienststelle in Alsfeld ist, einen Mord auf einer Beerdigung lösen und seinen verschwundenen Vater finden. Eine vergnügliche Mischung aus Krimi, Humor und Familiengeschichte. Wir sprachen mit dem 44-jährigen Faber.

Herr Faber, wir haben bald unser 20. Abi-Jubiläum und ein Klassentreffen - wie Ihr Kommissar Bröhmann. Bei ihm läuft es schrecklich ab, eine ehemalige Mitschülerin wird zur Stalkerin. Ich glaube, ich gehe jetzt doch nicht zum Treffen. 

Dietrich Faber: Wenn ich Sie wäre, würde ich mich trotzdem stellen. Ich stehe gerade kurz vor meinem 25. Jubiläum. Und ich freu mich schon drauf. Man kann es ja ganz anders erleben als Bröhmann. Es ist auch Glück, mit welchen Leuten man festhängt. Ich mag diesen Hauch von Nostalgie.

Na gut, ich will ja auch nicht so eine Memme sein wie Ihr Kommissar. Was unterscheidet ihn von den vielen anderen Kommissaren? 

Faber: Der größte Unterschied ist, dass er nicht gern Kommissar ist. Die anderen haben Brüche im Privatleben und sind Alkoholiker, aber tolle Ermittler. Bröhmann dagegen fühlt sich ein bisschen fehl am Platz und hat kein großes Selbstvertrauen. Er ist nicht der geborene Polizist, sondern durch seinen Vater dazu geworden, der Polizeichef war. Im dritten Buch ist er allerdings motivierter. Er ist doch nicht komplett talentfrei.

Wollten Sie bewusst einen Antihelden schaffen? 

Faber: Ich bin da nicht so verkopft rangegangen. Aber es sollte ein Kommissar mit kompletter Unlust sein. Man kennt das aus anderen Berufen, dass viele keine Lust auf ihren Job haben. Wieso sollte es das bei der Polizei nicht auch geben?

Im neuen Fall liebäugelt Bröhmann damit, nach Berlin zu ziehen. Würde der Provinzler es auch in der Metropole schaffen? 

Faber: Zeitweise könnte er vermutlich auch dort glücklich sein, aber er gehört in die Provinz. Und er braucht es auch, sich an den Nachteilen der Provinz zu reiben. Er ist nun in einem Alter, so um die 40, in dem man sich Fragen stellt wie: Ist es das, was ich machen will, bis ich uralt bin? Oder fange ich etwas Neues an?

Sie sind jetzt 44. Haben Sie sich die Fragen auch gestellt? 

Faber: Ja, aber da war ich Mitte 20. Wir hatten damals gerade das Duo Faberhaft Guth gegründet und waren ständig unterwegs. Da habe ich mir auch überlegt, ob ich in eine Großstadt ziehen soll. Aber je älter ich wurde, desto besser fand ich es immer, wieder in die überschaubare Stadt zu kommen, die man in zwei Stunden durchlaufen kann. Ich mag diese Freiheit der Provinz.

Wieso ist Bröhmann gerade im Vogelsberg zu Hause? 

Faber: Weil ich das meiste im Vogelsberg schreibe - in einem Wochenendhaus in der Nähe von Schotten, das mein Opa gebaut hat. Es ist ideal, um kreativ zu sein. Ich wollte die Geschichten nicht dort spielen lassen, wo ich wohne. Zudem ist der Vogelsberg noch nicht bundesweit bekannt. Er ist keine Tourismusadresse, sondern der Inbegriff der Provinz.

Sieben Wochen stand Ihr Buch auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. Haben Sie jetzt ausgesorgt?

Faber: Nein. Es ist ein Unterschied, ob man auf Platz 15 ist oder zwei Jahre lang auf Platz 1. Zur Ruhe setzen könnte ich mich jetzt noch nicht. Aber ich kann nicht klagen.

Was sind Sie nun eigentlich: Kabarettist oder Autor? 

Faber: Im Moment ist das Autorenleben mein Hauptstandbein, aber ich sehe mich als Komiker und Bühnenkünstler. Deshalb spiele ich eine Show zum Buch, bei der auch eine Band mit oberhessischen Country-Hits auftritt. Eigentlich hätte mit dem dritten Buch Schluss sein können, aber jetzt fehlt mir das Schreiben schon wieder. Der Erfolg hat mich gepusht.

Dietrich Faber: Tote Hunde beißen nicht. Bröhmann ermittelt wieder. Rowohlt, 288 S., 14,99 Euro. Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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