Den „Schönen Madonnen“ am Rhein ist im Bonner Landesmuseum eine prächtige Schau gewidmet

Besuch bei der Himmelskönigin

Rotwangig: Madonna aus der Pfarrkirche St. Laurentius Iversheim, um 1430 Fotos: Hans-Theo Gerhards/ nh

Bonn. Mit liebreizender Majestät steht die Madonna vom Kölner Friesentor (Nussbaum, um 1360/70) vor uns. Sie schielt voller Stolz zu ihrem Sohn, den sie im hoch erhobenen linken Arm hält. Er lächelt uns fröhlich an. Das anmutige Werk stimmt uns bestens auf die mit himmelblauen Augen, rosigen Wangen und roten Lippen ausgestatteten „Schönen Madonnen“ ein, denen das Bonner Landesmuseum eine prächtige Schau eingerichtet hat.

Die Jahrzehnte um 1400 sind ein Höhepunkt in der Geschichte des Marienbildes. Das beweisen über 60 zumeist farbig gefasste Bildwerke aus Holz oder Stein, die aus den geistlichen Kurfürstentümern Mainz, Köln und Trier stammen.

Als einzigartige Komposition gilt die „Madonna in der Sonne“ (Nussbaum, um 1370/80). Das goldene Kleid der Sitzfigur geht in züngelnde Sonnenstrahlen über. Zum Zeichen ihrer Jungfräulichkeit trägt Maria das Haar offen. Theologische Lehrmeinung ist, dass auch sie wie ihr Sohn unbefleckt empfangen wurde und damit frei von der Erbsünde ist. Sie hält die Füße des Kindes als Hinweis auf die bevorstehende Passion Christi zur Erlösung der Menschheit.

Was die „Madonna in der Sonne“ so zart andeutet, ist in der „Pietá Roettgen“ (Pappelholz, um 1350/60) erschreckende Realität geworden. Die sitzende Maria hat den übergroßen Kopf schräg gelegt und den Mund klagend geöffnet. In ihren Armen hält sie den auf ihrem Schoß sitzenden toten Sohn. Der schmächtige, eingefallene Körper weist die von mächtigen Blutstrauben umgebenen fünf Wunden auf.

Das Wissen um diese Leiden ist vielen der auf den ersten Blick so fröhlich lächelnden Madonnen und Jesusknaben mittels Attributen wie dem das Kind in die Hand pickenden Goldfinken eingeschrieben. Andere Bildwerke verweisen auf deren Sinn. So hält das Kind der Madonna vom südlichen Querhaus des Kölner Doms (Sandstein, um 1400) einen Apfel in den Händen. Maria und Jesus sind somit als Neue Eva und Neuer Adam dargestellt, welche die vom ersten Menschenpaar in die Welt gebrachte Erbsünde überwinden.

Ein Blumenstrauß aber, wie ihn etwa die zierliche Madonna (Nussbaum, um 1360/70) aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza in der Hand hält, ist Hinweis auf die wohl eigentümlichste Analogie, welche die mittelalterlichen Theologen hervorgebracht haben. Mit Bezug auf das im alttestamentlichen Hohelied besungenen Brautpaares wird Maria zur Braut Christi erklärt.

In der Hoffnung auf Fürsprache vor Gott wurden hochverehrte Marienfiguren von Gläubigen mit Schmuck und Kleidern beschenkt. Solcher inzwischen wieder abgelegter Stoffbekleidung hat es die Madonna (Holz, um 1380) der Wallfahrtskirche von Wirzenborn bei Montabaur zu verdanken, dass ihre originale Goldfassung recht gut erhalten ist. Die goldene Kleidung der leiblich in das Reich Gottes aufgenommenen Maria signalisiert ihren nahezu göttlichen Rang: Sie ist die Himmelskönigin.

Bis 25. April im Rheinischen Landesmuseum Bonn, Colmantstraße 14-16. Informationen: Tel.: 0228-20700, www.landesmuseum-bonn.lvr.de. Der Katalog aus dem Verlag E. A. Seemann kostet im Museum 19,95 Euro.

Von Veit-Mario Thiede

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