Marco Comin dirigierte beim Kasseler Sinfoniekonzert Britten und Tschaikowsky

Betäubende Schönheit der Musik

Beweglicher, lyrischer Tenor: Uwe Stickert beim Auftritt mit dem Kasseler Staatsorchester. Foto:  Fischer

KASSEL. Er ist der Komponist des ultimativen Klangrausches: Geheimnisvoll locken die schwirrenden, glitzernden, schwebenden Klänge in der Musik von Franz Schreker (1878-1934), der einst zu den meistgespielten Opernkomponisten zählte, von den Nazis geächtet wurde und dessen Werk seit einigen Jahrzehnten eine verdiente Renaissance erfährt. Schrekers Klangfarben, schrieb ein verständiger Kritiker vor hundert Jahren, sind von „einer ungeahnten, förmlich betäubenden Schönheit“.

Opulent, auch gehörig bombastisch eröffnete die Ouvertüre zu Schrekers Oper „Die Gezeichneten“ das jüngste Kasseler Sinfoniekonzert. Gerade in der ersten Hälfte verwöhnte der Abend in der Kasseler Stadthalle mit einem äußerst aparten Programm. Einmal mehr wurden auch die Stärken von Marco Comin, dem Ersten Kapellmeister des Staatstheaters Kassel, offenbar. Comins Dirigieren gibt der Musik Geschlossenheit und Spannkraft - und ist auch schön anzusehen. Die rhythmische Präzision bewährte sich erst recht in Benjamin Brittens Rimbaud-Zyklus „Les Illuminations“ (1939) für hohe Stimme und Streichorchester, neun Lied-Juwelen, die Brittens Eklektizismus im besten Licht leuchten lassen: Neoklassischer Schliff trifft auf ein sensitives Naturell.

Hoch motiviert waren die Streicher des Staatsorchesters von der Heftigkeit der einleitenden Fanfare bis zu den feinen solistischen Passagen. Der kräftig applaudierte Gastsolist Uwe Stickert sang, nachdem seine Stimme anfangs noch etwas vibrierend geklungen hatte, mit beweglichem, lyrischem Tenor, punktgenau, aber auch mit betörenden Bögen.

Nach der Pause erlebten die 1345 Zuhörer mit Tschaikowskys 5. Sinfonie einen romantischen Hit in einer wirkungsvollen Wiedergabe. Zu Geltung kamen sowohl der melodische Schmelz als auch die aufpeitschende Kraft, letztere schien bei den Blechbläsern allerdings fast schon übertrieben. Viel Beifall für Comin und für die Musiker vom Hornisten Adrian McLeish bis zu Bernhard Betzl, dem wendigen Mann an den Pauken.

Von Georg Pepl

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