Beady Belle sorgten für Weltstadt-Atmosphäre im Theaterstübchen

Betörendes Konzentrat

Charismatisch: Beate S. Lech von Beady Belle beim Auftritt im Theaterstübchen. Foto:  Zgoll

Kassel. Eigentlich hätte das Theaterstübchen aus allen Nähten platzen müssen, doch gerade mal 60 Gäste wollten die international renommierten Beady Belle aus Norwegen erleben. Schade, denn diese Band zelebriert einen Newpop, der in seiner konzeptionellen Reduktion Maßstäbe setzt.

Da, wo sich die Stars der Szene an Klischees abarbeiten, zeigt das Quintett um die charismatische Sängerin Beate S. Lech, wie man mit intelligenten Arrangements und Texten jenseits der geistigen Armutsgrenze dem Genre Qualität injiziert. Da wird kein Süßholz geraspelt, Dur- und Mollakkorde nach Zeitgeistkriterien aufeinander gestapelt oder Beats angeboten, denen eine Karriere als Handy-Klingelton vorbestimmt scheint.

Beady Belle deuten an, lassen sich Zeit und verflüssigen Melodien und Harmonien zu einem emotional betörenden Konzentrat. Dabei bedienen sich die beiden Keyboarder Jørn Øien und David Wallumrød aus dem analogen Senioren-Fundus beliebter Tasteninstrumente.

Hammond B3, Fender Rhodes und Hohner Clavinett kratzen und knistern einen Sound herbei, der oft nur aus Frequenz besteht und mit Delay-Effekten gefüttert wird. Solistische Genialität mündet zumeist im Jazz, und rhythmisch schiebt man Funk und Ballade abwechselnd in das Rampenlicht. Bassist Marius Reksjø und Schlagzeuger Erik Holm sichern geschickt die Flanken, und über allem schwebt, jauchzt und jubiliert Lech mit einer gnadenlos guten Stimme.

Die Texte der Schriftstellerin Zadie Smit dominieren den gedanklichen Inhalt der aktuellen CD „Cricklwood Broadway“ und verschmelzen mit den sparsamen Kompositionen zu einer perfekten Symbiose aus Dancefloor und Klangpoesie.

Vier Zugaben und großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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