„Betreten verboten“: Elf Künstler stellen am Offiziantenhaus bei Schloss Wilhelmsthal aus

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„Geschlossene Gesellschaft“: Arbeit von Betty Sarti de Range im Garten-Idyll am Offiziantenhaus, im Hintergrund „Zingel“ von Monika Bodenmüller. Fotos: von Busse

Calden. Vor drei Jahren musste der Regionalverband Kassel-Nordhessen des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) das sanierungsbedürftige Souterrain des Schlosses Wilhelmsthal verlassen. Man zog ins Offiziantenhaus nahe dem Schlosshotel Wilhelmsthal. Nun ist auch dieses Gebäude so baufällig, dass es für Besucher gesperrt werden muss. Voriges Jahr fielen Teile der Decke herab, es gab einen Versicherungsschaden.

Die Künstler haben aus der Not eine Tugend gemacht. „Betreten verboten“ heißt die Ausstellung mit elf Teilnehmern, die dieses Jahr überwiegend im Areal rund ums Haus stattfindet. Unterstützt wird die Schau vom Landkreis Kassel und der Kasseler Sparkasse.

„Uns ist das Haus richtig ans Herz gewachsen“, sagt Hildegard Schwarz vom BBK, die das Projekt gemeinsam mit Lutz Kirchner auf die Beine gestellt hat: „Wir mögen es sehr.“ Eine Idee wäre, das Gebäude dauerhaft der Kunst zu widmen, als Produzentengalerie, für Ateliers oder Workshops. „Es gibt aber aktuell keine wirkliche Planung“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Das gesamte denkmalgeschützte Ensemble ums Offiziantenhaus ist in Privatbesitz, es verfällt vor sich hin, der Eigentümer ermöglicht aber die Ausstellung - und dafür eignet sich auch der Garten hervorragend.

Drei Künstler jedoch haben ihre Arbeiten im Inneren aufgebaut, die von Podesten durchs Fenster betrachtet werden können, etwa eine spektakuläre Laserinstallation von Wladimir Olenburg.

Auch die beeindruckendste, verstörendste Arbeit ist nur von außen zu betrachten: Arno Reich-Siggemann nennt sein Gips-Figurenensemble „Hort“. Hier kümmert sich aber niemand um die im engen Raum verstreuten Kinder, die teils auf riesigen abgetrennten Gliedmaßen herumklettern. Ein Paar in der Mitte ist ganz aufs Liebesspiel fokussiert. Sie aber hat ein Messer in der Hand, und bald sieht man, dass die Kinder verstümmelt sind.

So brutal geht es im Garten-Idyll nicht zu. Betreten verboten - unter diesem Titel geht es allerdings in mehreren Positionen um Abgrenzung, um das Ausgeschlossen- und Gefangensein. Monika Bodenmüller hat ein Gefängnis für eine Person geschaffen, das aber nicht zugänglich ist - niemand würde durch diese Stäbe passen.

Außen vor fühlen soll sich auch, wer vor Sabine Reyers abgesperrter Installation steht: drei auf Sockeln genagelte Bücher, die die drei monotheistischen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam versinnbildlichen. Ausgeschlossen sind überall die Frauen, so lautet ihre Botschaft. Auf den Boden hat Reyer Männertreu gepflanzt. Dass das auch noch auf einem Schild gekennzeichnet wird, macht ihre Arbeit dann doch etwas plakativ.

Bis 21. September, geöffnet Fr 15-18, Sa/So 11-18 Uhr, mit schönem Katalog.

Sie sind dabei

Folgende Künstler sind an der Ausstellung „Betreten verboten“ beteiligt: Claudia Arndt, Irmi Aumeier, Monika Bodenmüller, K. F. Günther, Christof Kalden, Jean Boskja Missler, Wladimir Olenburg, Arno Reich-Siggemann, Sabine Reyer, Betti Sarty de Range und Gerda Waha.

Von Mark-Christian von Busse

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