Neu im Kino: „In Time - Deine Zeit läuft ab“ ist ein spannender Science-Fiction-Thriller

Bezahlt wird mit Lebenszeit

Auf der Flucht: Will (Justin Timberlake) und Sylvia (Amanda Seyfried) verteilen die Lebenszeit neu. Foto:  Fox/nh

Zeit ist Geld. Das ist in der Welt, die Andrew Niccols in seinem spannenden Science-Fiction-Film „In Time - Deine Zeit läuft ab“ entwirft, keine Floskel, sondern für die Menschen existenziell. Scheine und Münzen gibt es nicht, Zeit ist die allmächtige Währung. Ein Becher Kaffee kostet in dieser düsteren Zukunft vier Lebensminuten, eine Busfahrt zwei Stunden und eine Nacht im Luxushotel happige zwei Monate. Wie viel würde ich bezahlen, wenn alles von meiner Lebenszeit abgeht?

Auf dem Unterarm hat jeder Mensch eine neon leuchtende Uhr, die unaufhaltsam abläuft. Jahre, Monate, Wochen, Tage, Minuten, Sekunden. Der persönliche Countdown ist jederzeit erkennbar - auch für andere, sodass Frauen gern eine einseitige Armstulpe tragen. Zum Kaschieren. Wer arbeitet, verdient ein paar Monate dazu, bekommt sie abends am Fabriktor auf den Arm programmiert. Doch im Unterschichts-Wohnquartier haben die Menschen alle nicht mehr als ein paar Tage auf der Uhr. Die Reichen - die mit ein paar hundert Jahren in Reserve - verirren sich tunlichst nicht ohne Bodyguards dorthin. Denn für Extra-Lebensjahre wird getötet.

Will (Justin Timberlake) ist so ein Tagelöhner (im wahrsten Sinne des Wortes), dem seine Mutter morgens ein paar Extraminuten spendiert, damit er sich etwas zu essen kaufen kann. Als er von einem reichen Unbekannten hundert Jahre geschenkt bekommt, beschließt er, in die Welt der Wohlhabenden zu reisen und den Zeit-Kapitalisten das Handwerk zu legen. Wie dann Will das reiche Bankierstöchterchen erst kidnappt und dann mit ihr Bonnie-und-Clyde-mäßig gemeinsame Sache macht, ist ein konventionell gut erzählter Actionstoff. Die große Stärke von Andrew Niccols Film liegt aber im Drehbuch und im Design des Films.

Die abgerockte Ghettowelt und die Verfolgungsjagden zwischen Industriebrachen und trockenen Kanälen setzen starke Akzente.

Die Zeit-ist-Geld-Allegorie wird unaufdringlich und mit hoher innerer Logik durchgespielt. Plötzlich findet man es in hohem Maß unverantwortlich, dass der Bankier eine Million Jahre im Tresor hortet, während draußen die Menschen abkratzen, nur weil die Buspreise erhöht worden sind. Eine schöne Analogie in Zeiten der Occupy-Bewegung, besonders, weil das Thema nie moralisch in den Vordergrund gerückt wird.

Ebenso verhält es sich mit dem Jugendwahn unserer Gesellschaft. Die Menschen der Filmzukunft sind so gen-optimiert, dass sie die Optik ihrer 25 Lenze behalten. Alle strahlen gleich juvenil aus der Wäsche - es lässt sich nicht sagen, wer Tochter, Frau oder Mutter des bösen Bankers ist. Diese abziehbildhaften Glatthäuter sind unangenehm gleichförmig. Will kann sich bei diesen Luxusmenschen nicht verstecken. Er fällt immer als Ghetto-Mann auf. Er läuft zu schnell.

Genre: Science-Fiction

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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