Premiere für Antikenstück „Medea“ am Samstag

Beziehungskampf zweier Alphatiere

Anke Stedingk Foto:  Malmus/ nh

Kassel. „Ein spannender Krimi“, ist für Gustav Rueb das antike Dramenschwergewicht „Medea“ von Euripides, uraufgeführt im Jahr 431 vor Christus. Der Regisseur inszeniert das Stück als seine dritte Euripides-Arbeit am Kasseler Staatstheater nach den umjubelten „Alkestis“ und „Backchen“. Am Samstag ist Premiere im Schauspielhaus.

Anke Stedingk und Enrique Keil spielen die Hauptrollen Medea und Jason - ein Paar, das über Jahre durch dick und dünn gegangen ist. Sie hat für ihn beispielsweise das Goldene Vlies geraubt. Man hat Zuflucht am Hof in Korinth gefunden, und um Karriere zu machen, wendet sich Jason von seiner Partnerin ab - er sucht nach einer besseren Partie, bandelt mit der Tochter des Königs Kreon an.

Medea rast vor Eifersucht, als letztes Machtmittel im Beziehungskampf nimmt sie die beiden gemeinsamen Kinder und tötet sie. Euripides hat diesen griechischen Mythenstoff dramatisiert, ebenso wie viele weitere Autoren im Lauf der Jahrhunderte.

Gustav Rueb will mit seiner Inszenierung auffordern, über das „allzu populäre Ende“ neu nachzudenken. Ebenso wie über unser Verhältnis von Mythos und Realität. Dazu wird der Abend mit einem Prolog beginnen, in dem ein Text aus dem „Medea“-Film von Pier Paolo Pasolini vorgetragen wird. Warum brauchen wir das Mythische?

Im Zentrum steht für Rueb der Beziehungskampf zweier „Alphatiere“. Er findet es bemerkenswert, wie der antike Dichter die Figuren psychologisch auslotet, wie er jedem zu seinem Recht verhelfen will. Auch Jason habe gute Gründe für sein Vorgehen und sei beileibe kein armes Würstchen: „Überhaupt sind beide Beziehungspartner ständig dabei, zu argumentieren“, hat Rueb festgestellt. Er nutzt eine Übersetzung von Hubert Ostkämpfer, die so direkt, hart und heutig wie möglich ist. Rueb will Nähe zu heute herstellen, „ohne die Geschichte damit zu verkleinern“. Deshalb hat er den Schauplatz in ein Hotel verlegt - „den Inbegriff von Einsamkeit im 20. Jahrhundert“.

Der Abend wird intensiv, sagt er, und düster. Und ein Kraftakt für Anke Stedingk als Medea, die die ganze Zeit auf der Bühne ist.

Premiere am Samstag, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus, weitere Aufführungen am 4., 6., 8., 12. Mai, Karten: 0561-1094-222.

Von Bettina Fraschke

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