Neu im Kino: Konflikt der Kulturen in Marcus H. Rosenmüllers „Sommer in Orange“

Mit Bhagwan in Bayern: "Sommer in Orange" kommt in die Kinos

Irritierend für Trachtenträger: Prakasch (Chiem van Houweninge, von links), Chandra (Wiebke Puls) und Jogi (Daniel Zillmann) singen während des bayrischen Dorffests ein Mantra. Foto: Majestix

Ein wilder Haufen Kinder und eine Gemeinschaft von orange gekleideten Gleichgesinnten - für die zwölfjährige Lili (Amber Bongard) ist das Leben in der Kreuzberger Sannyasin-Kommune der Himmel auf Erden. Aber dann erbt Siddhartha (Georg Friedrich), der derzeitige Lebensabschnittsgefährte ihrer Mutter Amrita (Petra Schmidt-Schaller), einen Bauernhof in der tiefsten bayrischen Provinz, und ein harter Kern von Bhagwan-Anhänger macht sich auf nach Talbichl.

Plötzlich müssen sich Lili und ihr kleiner Bruder Fabian außerhalb der Sekte bewähren. Im Klassenraum hängt ein Kruzifix und nicht Bhagwans Konterfei. Gebetet wird das Vaterunser statt indischer Mantras. Während die Erwachsenen in der Scheune Urschreitherapien veranstalten und in der Küche Kombucha-Pilze züchten, versuchen die Kinder den Spagat zwischen den Welten. Verzweifelt will Lili sich an den Lebensstil der Eingeborenen anpassen und tauscht die selbst gefärbten Schlabber-T-Shirts heimlich gegen ein fesches Dirndl ein.

Mit „Sommer in Orange“ hat der bayrische Heimatfilmer Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“) eine recht unterhaltsame, aber auch grundharmlose Komödie über den Zusammenprall von konservativen Dorfstrukturen und esoterischem Sektentrubel in Szene gesetzt.

Der Film beruht auf den Kindheitserinnerungen der Drehbuchautorin Ursula Gruber, die in einer Sannyasin-Kommune südlich von München aufgewachsen ist. In seinen Details atmet der Film spürbar gelebtes Leben, auch wenn die Konfliktlinien der bayrischen Culture-Clash-Komödie überschaubar und die Figuren keineswegs klischeefrei über die Wiese der Selbsterfahrung tanzen.

Wie in früheren Filmen wählt Rosenmüller auch hier die Erzählperspektive des Kindes, die einerseits für einen unverstellten Blick, andererseits aber auch für eine Komik sorgt, die niemandem wehtun will. Sorgfältig ist Rosenmüller darauf bedacht, weder die bayrischen Dörflinge noch die esoterischen Eindringlinge zu diffamieren. Das ist nett von ihm, nimmt der Angelegenheit aber jene anarchistische Würze und Unberechenbarkeit, die eine wirklich gute Komödie ausmacht.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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