Karikaturen-Schau im Rathaus zum Verhältnis von Deutschen und Italienern

Die Bierschaumgeborenen

Manchmal wollen die Deutschen die besseren Italiener sein: Zeichnung von Reinhard Alff. Fotos:  Caricatura/nh

Kassel. Deutschen kommt beim Stichwort Italien Pizza, Spaghetti, Sonne, Dolce Vita, Berlusconi und die Mafia in den Sinn. Wenn Italiener an das graue, kalte Land nördlich der Alpen denken, stellen sie sich Bier, Würstchen und Touristen in Shorts und Sandalen vor. Ja, ein bisschen scheinen die Italiener die Nachfahren der Germanen zu fürchten.

Diesen Eindruck hat man in der Karl-Branner-Seitenhalle im Kasseler Rathaus. Dort läuft zurzeit die Ausstellung „Va bene?!“ mit Cartoons zum deutsch-italienischen Verhältnis. 33 Zeichner aus beiden Ländern - darunter bekannte Namen wie auf deutscher Seite Rudi Hurzlmeier, Til Mette, Freimut Woessner und Peter Gaymann - haben sich über die gegenseitigen Vorurteile und Verallgemeinerungen Gedanken gemacht.

Deutsche sind steif, genau und ordentlich, Italiener weich, chaotisch und nicht vertrauenswürdig. Auch das ein Klischee, das die Künstler mit Leben füllen. Bei Bicio Fabbri steht neben dem Spaghetti-Teller eine deutsche Portion, bei der die Nudeln aufrecht stehen, in Reih und Glied wie in einer Militärformation.

Wo die Italiener ihre schaumgeborene Venus haben, entstammt die Lorelei, die sich ihr güldenes Haar kämmt, dem Bierschaum. Ihm entsteigt sie jedenfalls auf dem Bild von Cristina Gentile. Untertitel: „Wir Deutsche leiden nicht unter Größenwahn. Es ist die Welt, die uns nicht gewachsen ist.“ Mitunter sind die schmächtigen Latin Lover gegen zupackende Teutoninnen nicht gewappnet, die sie - in eine schwarz-rot-goldene Flagge gehüllt, die üppigen Brüste freigelegt - in Rimini im wahrsten Sinne des Wortes abschleppen - so die Vorstellung von Sergio Staino. Oder Touristen wandern - wie bei Barbara Henniger - kopfschüttelnd in antiken Ruinen umher: „Bei uns hätte man das alles längst in Ordnung gebracht.“

Die Initiative zu den Karikaturen stammt vom Goethe-Institut, das sich Partner gesucht hat, darunter die italienischen Kulturinstitute in Deutschland. Kassel ist die erste Station der Schau hierzulande, realisiert von der Caricatura. Unterstützung leistete die Deutsch-Italienische Gesellschaft Kassel.

Bis 23.12., Rathaus, Karl-Branner-Seitenhalle, 2. Stock, Flügel Wilhelmsstr., Mo-Fr 8 - 18 Uhr. www.goethe.de/vabene

Von Mark-Christian von Busse

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