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Hugenottenhaus schließt am Samstag – Filmreihe bleibt im Netz

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Bis einschließlich Samstag zu sehen: Blick in den Raum des Kasselers Ricky Weber in der Ausstellung „Erste Hilfe: First Aid“.
Bis einschließlich Samstag zu sehen: Blick in den Raum des Kasselers Ricky Weber in der Ausstellung „Erste Hilfe: First Aid“. © Andreas Fischer

Kassel – Silvia Freyer und Stephan Haberzettl aus dem Team des Hugenottenhauses ziehen Bilanz der Ausstellung „Erste Hilfe: First Aid“, die am 24. September zu Ende geht.

Einen Satz hat Silvia Freyer im Sommer oft gehört: „Ich hab’s endlich mal geschafft.“ Wer sich in der Kasseler Kulturszene tummelt, sei im Windschatten der documenta fifteen so sehr mit eigenen Projekten beschäftigt gewesen, dass er kaum habe wahrnehmen können, wie viel und was in Kassel alles stattfindet.

Morgen, am Samstag, geht im Hugenottenhaus die Ausstellung „Erste Hilfe: First Aid“ zu Ende. Kuratorin Silvia Freyer, die mit ihrem Mann Lutz und dem Unternehmer Udo Wendland den documenta-Standort von 2012 wieder zum Leben erweckt hat, zieht eine gemischte Bilanz. „Die Resonanz war sehr gut, die, die da waren, waren begeistert.“

Die Zahl der documenta-Besucher aber, die auch das Hugenottenhaus wahrnahmen, sei geringer gewesen als erwartet – trotz positiver Berichterstattung in den Kunstmagazinen „Art“ und „Monopol“. Schon die 32 Standorte seien praktisch nicht zu schaffen: „Das haben wir unterschätzt.“ Die Folge: „Wir sind mit der Finanzierung am Limit.“ Ohne die Förderung von Stiftungen, Sponsoren, den erhöhten städtischen Zuschuss und ehrenamtlich tätige Aufsichten wäre die Schau nicht zu bewerkstelligen.

Immerhin seien – der documenta geschuldet – sehr prominente Gäste dagewesen, erzählt Silvia Freyer. Kasper König, ehemaliger Direktor des Museums Ludwig in Köln und der Skulptur Projekte Münster, der auch schon in einer documenta-Findungskommission saß, habe den Tipp gegeben, so seien einflussreiche Kuratoren wie Hans-Ulrich Obrist (Serpentine Gallery London) und Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, vorher am MoMa in New York, da gewesen – und hätten ihnen gratuliert.

Silvia Freyer schwärmt von der Reihe „100 Menschen – 100 Tage“, bei denen (fast) täglich Gesprächspartner Lutz Freyer Auskunft darüber gaben, ob sie schon Erste Hilfe erhalten oder gegeben haben – oder auch nicht. „Das ist richtig toll“, findet Silvia Freyer, „es ist der Hammer, und es ist ein dicker positiver Akzent in einer Zeit, in der wir von negativen Nachrichten überschwemmt werden“.

Die Interviews bleiben im Netz, auf dem Blog artort.tv von Stephan Haberzettl, auf Youtube, Facebook, Twitter, der Offene Kanal strahlt sie aus. Haberzettl, der sie aufgezeichnet hat, hat „atemlos und voller Ehrfurcht“ verfolgt, was Menschen leisten, ohne dass sie eine große Bühne bekommen – vom Streetworker bis zur Hebamme. Man habe Persönlichkeiten in ihrer ganzen Wahrhaftigkeit kennengelernt. Heute hat zum Finale Reza Afisina von Ruangrupa zugesagt. Auch der Mönch Daizaburo Sakamoto, der drei Tage in Wolfsanger in einer Erdhöhle lag, wurde befragt. Haberzettl hat zudem sieben Filme gemacht, in denen die Kunst anhand eines 3D-Modells vorgestellt wird. Auch dadurch bleibt „Erste Hilfe“ erhalten.

2023 solle definitiv eine weitere Ausstellung gezeigt werden, kündigt Silvia Freyer an. Langfristige Pläne für das Areal liegen noch auf Eis. Stephan Haberzettl will wieder dabei sein: „Auf jeden Fall.“

Noch heute und morgen geöffnet, 12 bis 19 Uhr, Infos unter hugenottenhaus.com, artort.tv

Von Mark-christian Von Busse

Teammitglieder und Förderer im Hugenottenhaus: Stephan Haberzettl (vorn von links), Silvia Freyer, Astrid Bauer (Fieseler Stiftung), hinten Burkhard Weinbauer, Peter Mühlhaus (Volksbank Kassel Göttingen), Jutta Kepper (NVV), Kati Werkmeister (Kulturamt) und Udo Wendland.
Teammitglieder und Förderer im Hugenottenhaus: Stephan Haberzettl (vorn von links), Silvia Freyer, Astrid Bauer (Fieseler Stiftung), hinten Burkhard Weinbauer, Peter Mühlhaus (Volksbank Kassel Göttingen), Jutta Kepper (NVV), Kati Werkmeister (Kulturamt) und Udo Wendland. © Dieter Schachtschneider

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