Die „Bild“-Zeitung unter den Kabarettisten: Volker Pispers in Vellmar

Volker Pispers

Vellmar. Manchmal gefällt sich der Kabarettist Volker Pispers selbst richtig gut, wie er am Donnerstag beim Vellmarer Sommer im Park gestand. Gerade war ein Flugzeug über das Festival-Zelt geflogen, da fragte Pispers: „Wird zum ersten Mal der Flughafen hier angeflogen?“ Die 1000 Zuschauer bekamen sich gar nicht mehr ein vor Lachen.

Pispers kommt ja auch richtig gut an. Früher trat der ehemalige Theologiestudent schon mal vor 15 Leuten auf. Mittlerweile ist er längst Stammgast im Fernsehen und auf großen Bühnen. Sein Auftritt in Vellmar war bereits seit Monaten ausverkauft.

Am besten ist der Antikapitalist Pispers, wenn er zum Beispiel mit beeindruckenden Zahlenkolonnen hantiert, um zu zeigen, dass unser Sozialsystem nur schöngerechnet wird. Allerdings ist er auch die „Bild“-Zeitung unter den Kabarettisten. Er vereinfacht, wo es nur geht.

Sein Programm „... bis neulich“ ist selbstgefälliges Kabarett im eigentlichen Wortsinn. Ist es wirklich noch lustig, den gefallenen Bundespräsidenten Christian Wulff „die Peinlichkeit auf zwei Beinen“ zu nennen?

Für Pispers sind alle Parteien „Scheiße in verschiedenen Geschmacksrichtungen“ - mit Ausnahme der Linken, die von dem 55-Jährigen verschont wird. Ansonsten ist Bundespräsident Joachim Gauck für ihn „der größte anzunehmende Gockel“, der „intellektuellen Durchfall“ redet, den FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler hält er für ein „ziemlich dummes Arschloch“.

CDU-Mann Ronald Pofalla würde er am liebsten was in seine „saudumme Hackfresse“ geben, zur Grünen Claudia Roth sagt er „du blöde Kuh“, und alle, die nicht an den demokratischen Sozialismus glauben, sind entweder „hirntot“ oder gehören „in die geschlossene Abteilung“.

Natürlich weiß Pispers, wie man es besser macht. Indem man etwa das Zinssystem abschafft und nicht mehr von einer „Schuldenkrise“ redet, sondern von einer „Vermögenskrise“, denn: „Die Schulden des einen sind das Vermögen des anderen.“ Schuld sind bei ihm immer die anderen.

Als Wutbürger ist Pispers so populistisch wie Thilo Sarrazin, dessen Thesen er selbstverständlich verachtet. Kabarett, das vorgibt, alles zu wissen, muss einem suspekt vorkommen. Sollte es nicht lieber Fragen stellen, als alle zu beantworten? Archivfoto: Fischer

Sommer im Park, Samstag, 20 Uhr: Lydie Auvray & die Auvrettes. Sonntag, 19 Uhr: Gerburg Jahnke & Gäste.

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