Der russische Star-Choreograf Boris Eifman erzählt in Kassel die Geschichte von Eugen Onegin

Bilder eines Brückenbauers

Furios: Szene des St. Petersburger Ensembles beim Kasseler Eugen-Onegin-Gastspiel. Fotos: Schoelzchen

Kassel. Diese Brücke führt nicht nur über die Bühne des Kasseler Staatstheaters. Für seine Aufführung von „Eugen Onegin“ hatte der russische Star-Choreograf Boris Eifman im Schauspielhaus eine riesige Hängebrücke aufbauen lassen, die der St. Petersburger Vantov-Brücke nachgeahmt ist. Ein besseres Symbol gibt es nicht für seine Inszenierung des Versromans von Alexander Puschkin.

Sein Stück, das erst vor wenigen Monaten in New York uraufgeführt wurde, „ist eine neue Version eines altes Textes“, wie der 63-Jährige sagt. Die Brücke führt also auch vom Schauplatz der Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit - genauer gesagt ins Jahr 1991. Gleich zu Beginn des zweistündigen Abends flimmern Bilder vom Zusammenbruch der Sowjetunion über die Bühne, ehe auf der Videowand Ballettszenen aus „Schwanensee“ zu sehen sind.

Russische Seele

Eifman ist der russischen Seele auf der Spur, und diese Erkundungen werden auf der ganzen Welt gefeiert. Nach dem Gastspiel im Staatstheater, das erneut die Kasseler Ballettliebhaberin Karin Zimni organisiert hatte, spendeten die Besucher minutenlang stehend Beifall. Der galt nicht nur Eifman und dem wuchtigen Bühnenbild von Zinowy Margolin, sondern vor allem auch dem St. Petersburger Ballett-Ensemble.

Zur romantischen Opernmusik von Peter Tschaikowsky und Gitarrenrock vom Band tanzen die 50 Mitglieder furiose Gruppenszenen, einfühlsame Pas de deux. Der athletische Oleg Gabischew als kaltherziger Playboy Eugen Onegin, der seinem Freund die Verlobte ausspannen will, ihn im Streit tödlich verletzt und selbst an einer unglücklichen Liebe zerbricht, zeigt technisch perfekte Sprünge.

In seiner psychologisierenden Inszenierung findet Eifman eine gelungene Mischung aus farbenprächtigen Arrangements und dunklen Bildern. In St. Petersburg lässt er gerade ein eigenes Theater für seine Compagnie bauen. Trotzdem wird er weiter viel auf Reisen sein. Eifman baut Brücken zwischen Russland und dem Rest der Welt.

Von Matthias Lohr

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