Das Rotenburger Museum für Kunst, Kultur und Karikatur zeigt Arbeiten von Marc Chagall

Bilder eines großen Träumers

Ein Feuerwerk der Farben: Marc Chagalls Selbstporträt (1960, links) sowie „David und Bathseba“ (1956). Fotos: De Filippo

Rotenburg. „Der Höhepunkt der Poesie ist für mich die Bibel“, hat Marc Chagall (1887-1985) einst gesagt. In zahlreichen Illustrationen hat der Maler dieser Faszination Ausdruck verliehen, sogar eine ganze Bibel-Ausgabe wurde ihm gewidmet. Das Rotenburger Museum für zeitgenössische Kunst, Kultur und Karikatur - kurz Muzkkka - zeigt derzeit eine eindrucksvolle Sammlung von Chagalls Werken. Im Mittelpunkt stehen auch dort religiöse Themen.

Dass die Ausstellung in Nordhessen gezeigt wird, ist dem Bamberger Sammler Richard Mayer zu verdanken. Über viele Jahre hat er die Lithografien zusammengetragen. Als Prof. Walther Keim, Leiter des Rotenburger Museums, anfragte, willigte er sofort ein, einen Großteil seiner Sammlung auszustellen. Ein weiterer Privatsammler aus der Region, der zufällig von der geplanten Chagall-Ausstellung gehört hatte, steuerte ebenfalls einige Werke des in Russland geborenen Künstlers bei. Bilder, die noch nie zuvor gezeigt wurden.

So ist eine wunderbare, schön präsentierte Schau entstanden, die den Maler, aber auch die Person Marc Chagall vorstellt. Zitate, die dekorativ an der Wand platziert sind, geben Aufschluss über seine Themenauswahl. Dazu gibt es ausführliche Informationen zur Biografie Chagalls und zur Technik der Lithografie.

Chagalls Illustrationen zur Bibel sind gleich mehrere Räume gewidmet. Mit verträumter Leichtigkeit und klaren Farben - den typischen Merkmalen seiner Bilder - hat der Künstler Szenen festgehalten, die oft unbekannt sind. Andere wiederum kennt man, hat sie aber in dieser poetischen Weise noch nie gesehen. „Moses empfängt die Gesetzestafeln“, heißt zum Beispiel eine Arbeit aus dem Jahr 1956. Das Bild ist in leuchtendem Blau gehalten, die Farbe der Schöpfung. Moses blickt nach oben, Gott streckt ihm die Hand entgegen. Eine einfache Geste, die viel erzählt.

Einen spannenden Gegensatz bilden die Zirkusbilder, die ebenfalls in Rotenburg ausgestellt sind. Sie zeigen ein farbenprächtiges Durcheinander von Akrobaten, Tieren und Clowns. Immer wieder trifft man beim Betrachten auf dieselben Symbole. Engel, Pferde, einfache Häuser - Chagalls Lieblingsmotive und ein Verweis auf seine Kindheit in einem russischen Dorf. Es scheint fast, als sei er nie erwachsen geworden.

Bis 29. August im Museum für zeitgenössische Kunst, Kultur und Karikatur, Obertor 8, Rotenburg. Geöffnet: dienstags bis samstags von 10 bis 18 Uhr.

Von Pamela De Filippo

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