Vier Mitglieder des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern stellen in der d:gallery aus

Bilder von Meer, Küste und Wüste

Werke von Britta Naumann: Die Installation im Vordergrund ist „Apokalyptisches Stillleben“ betitelt. Fotos: von Busse

Kassel. Was man in einer Ausstellung des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern mit dem Titel „Wasser“ wohl am wenigsten erwarten würde, ist die Wüste. Insofern ist der Beitrag von Anne Hille der überraschendste in der Ausstellung der d:Gallery, die den Beginn einer Kooperation mit der Künstlervereinigung aus dem Nordosten darstellen soll.

Die gebürtige Essenerin Hille, die an der Universität der Künste in Berlin und in Montpellier studiert hat und zuletzt einige Jahre als Lehrbeauftragte in Greifswald tätig war, hat 2014 an einem Bildhauersymposium in Jordanien teilgenommen. Damals übernachtete sie in einem Beduinencamp in der Wüste Wadi-rum, die sie als Ort der absoluten Stille, Leere und endlosen Weite faszinierte. Sie schuf dort die fünfteilige Serie „Imagine your own desert“. Nur Strommasten zeugen von der Anwesenheit des Menschen. Sie strukturieren auch den Bildraum.

Neben die leicht unscharfen Aufnahmen hat die Künstlerin Schlafmasken gehängt, mit denen die Besucher sich eine eigene, imaginäre Wüste vorstellen und sich auch von den ständig präsenten visuellen Reizen im Alltag lösen können. Für Hille, die in Starkow lebt, bildete die Wüste, die in diesen Aufnahmen auch etwas Trostloses hat, den „kompletten Gegensatz zu der quasi barocken, überflutenden Natur meines gewohnten Lebensumfeldes“.

Küstenlandschaften, wie sie in jede MV-Schau passen, liefert Olaf Hoppe mit seinen Acryl-Breitwandpanoramen, die Salzwiesen und Eiswiesen abbilden – der Künstler, der aus Rostock stammt und an der Hochschule Berlin-Weißensee ausgebildet wurde, lebt am dichtesten am Meer, in Stove bei Wismar.

Im Wasser scheint sich auch Stefan Albrecht aus Eickhof bei Güstrow zu tummeln. Der Rostocker, der zu DDR-Zeiten als Psychiatriediakon ausgebildet wurde, später als Spielzeuggestalter und Korbmacher arbeitete, zeigt farbenfrohe Meeresbewohner wie den Flohkrebs, Laternenfisch oder Röhrenwurm. Das Besondere ist seine Technik. Albrecht experimentiert seit ein paar Jahren mit Email auf Stahlblech, Kupfer- oder Silberstegen. Die glasartige Substanz wird bei 800 bis 900 Grad auf den Träger aus Metall aufgeschmolzen. Geschmacksache sind Albrechts bunte kopulierende Frösche.

Als einzige Künstlerin war Britta Naumann (aus Zarnewanz bei Rostock, wo sie als Dozentin an der Designakademie arbeitet) zur Vernissage gekommen. Die Collagen und Malereien der Absolventin der Leipziger Hochschule, die in der DDR zur Radiologieassistentin ausgebildet worden war, heißen „Regatta“, „Versunken“, „kleine Woge“ oder „am stürmischen Meer“. Ob „Überschwemmung“ oder „Unterwassertraum“ – ihre Bilder wirken endlos weit wie eine Wüste.

Bis 16.10., Schönfelder Str. 41b, Fr/Sa/So 15 - 19 Uhr, www.domaine-gallery.de

Von Mark-Christian von Busse

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